Uhrmacher Peter Prüßner stellt Luxusuhren in Berlin her
Sägen oder Bohren sind Begriffe, die Laien wie unsereiner nicht sofort mit der Uhrmacherei verbinden würden. Ähnlich sieht es mit Chemie oder Physik aus. Doch Kenntnisse und Fertigkeiten in diesen Techniken und Wissenschaften sind für dieses Handwerk Grundlage, verrät Peter Prüßner. Der gebürtige Rathenower sitzt an seinem hüfthohen Uhrmacher-Tisch. Die Brille auf der Nase und die Pinzette in der Hand, setzt er mit höchster Präzision und Konzentration die millimetergroßen Zeiger auf das Zifferblatt. Routiniert und mit ruhiger Hand geschieht das Ganze.
Eigener Laden
Prüßner arbeitet in der Luxusuhren-Manufaktur Askania in den Hackeschen Höfen. Seit August vergangenen Jahres ist er wieder beim 1871 gegründeten Traditionsunternehmen angestellt. Eine Art Heimspiel. Bereits vor einigen Jahren zählte der Uhrwerksveredler zum Team, machte sich allerdings zwischenzeitlich mit einem eigenen Laden in Groß Kreuz an der Havel selbstständig. Ein Wagnis, für das er jede Menge Vorbilder hatte. „Mein Opa und mein Vater waren auch Uhrmacher“, erzählt Prüßner. Das Handwerk gelernt hatte er an der Berufsschule für Uhrmacher in Guben und bei seinem Onkel Gerd in Gera.
Viele Arbeitsschritte
Für das reine Zusammenbauen der Uhren benötigt er etwa eine Stunde. Anders sieht es beim ganzen Werk aus. Denn bis all die winzigen Einzelteile zum fertigen Uhrwerk werden und montagebereit auf dem Tisch liegen, dauert es etwa vier, fünf Tage. „Wir haben einen Ausdruck, also eine Zeichnung, wie das Uhrwerk genau aussehen soll“, erklärt der Experte. Demnach wird die Platine, also die Werkplatte, auf dem die Bauteile des Uhrwerks befestigt werden, ausgesägt, anschließend noch die Ränder abgefeilt.
„Es sind viele Arbeitsschritte, bis alles zusammengebaut ist. Bei uns teilen wir das im Team auf“, sagt Prüßner. Je nach Modell kann der Uhrmacher die Schrauben vergolden oder ihnen eine andere Farbe geben. „Durch Hitze werden die Teile hier thermisch gebläut“, erklärt er. Beim Veredeln kommen die Komponenten zum Vorschein, die für Prüßner den Beruf so vielschichtig machen.
Geschulter Blick
Ob die zusammengebauten Zeitmesser auch tatsächlich in allen La gen richtig ticken, überprüft abschließend der Uhrenbeweger. Test bestanden, dann können sie abgeholt werden. „Wir bekommen auch viele Aufträge für Reparaturen, vor allem Armbanduhren“, sagt Prüßner.
Dann bringt der geschulte Blick hinter das Zifferblatt Aufschluss. „Die Fehleranalyse gehört zu diesem Beruf dazu. Unsere Lehrlinge bauen deshalb sehr viele Werke auseinander und richtig wieder zusammen. Dieses Verständnis ist unabdingbar.“ Leicht ist es auch für dieses Gewerk nicht, Nachwuchs zu finden. „Fast jeder trägt eine Uhr, aber es ist schwierig, junge Leute für den Beruf zu begeistern“, weiß der Handwerker
Datum: 8. März Text: Karin Reimold Bilder: Karin Reimold