Politiker suchen nach Wegen, um die Zahl der Organspender zu erhöhen. Allein in Berlin und Brandenburg warten derzeit mehr als 800 Menschen auf ein neues Organ.
Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Spender-Organ gefunden wird. In Berlin und ganz Deutschland sind Organspender Mangelware. Wie sich deren Zahl steigern lässt, darüber wird in der Politik gestritten. Allein in Berlin und Brandenburg warten derzeit über 800 Menschen unter anderem auf ein neues Herz, eine neue Leber oder eine neue Lunge.
Höhere Spendenbereitschaft
Ein Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht vor, dass künftig jeder als Organspender gilt, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Jeder ab 18 Jahren wird ausführlich informiert und als Spender registriert. Entscheidet sich jemand für einen Widerspruch, wird dieser in einem bundesweiten Register dokumentiert. In der Berliner Landespolitik stößt Spahns Gesetzentwurf überwiegend auf Zustimmung.
Von der Widerspruchslösung, nach der jeder ein potenzieller Organspender ist, wenn er dem nicht widerspricht, erhoffen sich viele eine höhere Spendenbereitschaft und mehr Offenheit diesem Thema gegenüber.
Gemeinsamer Gesetzentwurf
Tim-Christopher Zeelen, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, forderte im RBB den Senat auf, die Öffentlichkeitsarbeit für die Organspende auszuweiten und die Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern zu stärken.
Zeelen: „85 Prozent der Menschen sind zwar zur Organspende bereit, nur 36 Prozent haben aber auch einen Organspendeausweis. Das wollen wir ändern.“
Vertreter von Grünen und Linken meldeten Bedenken gegen Spahns Pläne an. Laut einem gemeinsamen Gesetzentwurf sollen Mediziner ihre Patienten bei Bedarf aktiv alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende beraten und sie zur Eintragung in das Online-Register ermutigen.
Positiver Trend
Die Beratung hat ergebnisoffen zu erfolgen. „Es fehlt nicht an der Bereitschaft zur Organspende, sondern an einfachen Möglichkeiten, sich zu erklären“, so Grünen-Co-Chefin Annalena Baerbock laut einem Bericht der „Rheinischen Post“. Deshalb sollten die Menschen bei den Behördengängen daran erinnert werden. Die Organspende müsse eine bewusste, freiwillige Entscheidung bleiben.
Auch wenn die Spenderzahl noch immer nicht ausreicht: Die Organspende hat sich im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2010 wieder deutlich positiv entwickelt.
Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten 955 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe für schwer kranke Patienten, das entspricht 11,5 Spendern pro Million Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr (797 Spender) bedeutet das eine Steigerung von knapp 20 Prozent.
Große Hoffnung
Im Dezember standen in Deutschland noch immer rund 9.400 Patienten auf den Wartelisten. „Die aktuelle Entwicklung bedeutet einen ersten Hoffnungsschimmer“, resümiert DSO-Vorstand Axel Rahmel. „Das darf uns jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch viel zu tun gibt.“
Große Hoffnung setzt der Mediziner auf das vom Bundeskabinett vorgelegte „Gesetz für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende“ (GZSO). Dieses setze genau dort an, wo Schwachstellen im System identifiziert worden seien.
Datum: 17. Mai 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: Bild: Getty Images Plus/iStock/Shutter2U