Die Illustratorin Maki Shimizu lässt sich vom Leben gern überraschen
„Ich male einen Strich, dann reagiere ich darauf, ich plane nichts“, erklärt die Illustratorin und Zeichnerin Maki Shimizu die Vorgehensweise ihres Schaffens. Und die trifft nicht nur auf ihre Leidenschaft mit dem Stift zu. Es ist ihr Lebensstil, den Zufall zuzulassen. Heute illustriert die 37-Jährige alles – vom Comic bis zum Werbeflyer. „Das ist diese Berlin-Magie, wie die Aufträge zu mir kommen und ich meinen Traum als Zeichnerin zu arbeiten, wahr machen konnte.
Wichtiges Buch
Mit 18 Jahren zog es die Kunststudentin weg aus Tokio. „Ich hatte eine Lebenskrise. Liebeskummer“, erzählt sie es heute mit einem Augenzwinkern. „Ich kaufte mir ein Ticket und flog mit einem Schlafsack und einem Mäppchen voller Stifte nach Deutschland.“ Maki Shimizu wollte wandern.
Ab Frankfurt begann ihre Reise zu Fuß, entlang des Mains. Sie war beeindruckt von den Menschen, der Eisenbahn, der Natur. In einer Jugendherberge bliebt sie nicht nur eine Nacht, sondern gleich drei Monate. „Und da geschah es. Ich entdeckte diesen 1955 erschienenen Bildband über Haustiere von Paul Eipper.“
Sie war fasziniert von den Bildern und deren Ausdruckskraft. „Diese Fotos waren in Schwarz-Weiß, aber in meiner Vorstellung sah ich sie in bunten, farbigen Bildern. Jedes Foto erzählte mir eine kleine Geschichte.“
Verlorenes Spiel
Der Zufall hatte entschieden, ihre Leidenschaft war geweckt. Shimizu wollte ein Buch daraus machen, dafür in Leipzig Drucktechnik studieren. Doch ein spontaner Besuch bei der Fachhochschule in Bielefeld, drei Tage vor ihrem Rückflug nach Japan, veränderte noch mal alles.
Der Professor, dem sie ihre Mappe zeigen wollte, forderte sie zu einer Partie Schach heraus. „Er meinte er hätte Feierabend“, sagt die Illustratorin amüsiert. Sie verlor das Spiel, er gewann und sah sich die Werke Shimizus doch noch an. Sie kam wieder, studierte schließlich in Bielefeld Grafikdesign. „Dabei war es nie mein Ehrgeiz, ein Diplom zu machen, sondern das Haustierbuch-Projekt zu verwirklichen.“ Nach vielen Absagen folgte die Zusage aus Berlin. Ihr Buch wurde 2007 verlegt.
Keine Peinlichkeit
Mittlerweile hatte Maki Shimizu in Berlin ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Sie hat sich längst als Zeichnerin etabliert, erhielt unlängst das große Comicstipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Höhe von 16.000 Euro. Obwohl – oder weil? – sie immer noch dem Zufall Raum lässt. Auf diese Art und Weise fand sie zu ihren Figuren Maki-Maus und Kater Adagio, die in mittlerweile drei gleichnamigen Comic-Heften vom Leben Maki Shimizus in Berlin erzählen.
Und sie traf auf Friedrich W. Zimmermann, Journalist und Autor des biografischen Buches „Liebe – Lust – Prostata: Eine wahre Liebesgeschichte“. Er musste Maki Shimizu nicht lange überreden, es mit der ihr eigenen feinfühlig-humorvollen Art in ein Comic zu „übersetzen“. Eine Kritikerin schrieb: „Wie sie das Kreatürliche ihrer Figuren erfasst, wie sie vor keiner Peinlichkeit zurückschreckt, ohne ihre Protagonisten zu verraten oder der Lächerlichkeit preis zu geben, diese absolute Menschenfreundlichkeit“, dies erinnere an den großen Künstler Heinrich Zille.
Dass Maki Shimizu einmal mit Comics Geld verdienen würde, hätte sie nie für möglich gehalten. Fast 20 Jahre nach ihrer ersten Reise nach Deutschland probiert sich die Wahl-Berlinerin inzwischen in unterschiedlichen Kunstformen aus, oft ungeplant und eben auf ihre eigene Art „Kein Stil ist mein Stil“, resümiert Maki Shimizu dankbar.
Datum: 14. Februar 2019 Text: Karin Reimold Bilder: Stefan Bartylla, privat