Studierendenwerk verweist auf steigende Nachfrage für fleischlose Gerichte.
Jetzt auch noch eine eigene Mensa für Veganer – muss das sein? Dieser Gedanke schoss vielen Berlinern durch den Kopf, nachdem sie diese Neuigkeit vom Studierendenwerk erfahren hatten: Am 23. April nahm die erste rein vegane Uni-Mensa den Betrieb auf. Die hierfür umgebaute Caféteria der Technischen Universität (TU) an der Hardenbergstraße trägt den Namen „Veggie 2.0 – die tiefgrüne Mensa“. Zu den täglichen Angeboten zählen ein Aktionsgericht plus zwei weitere Gerichte, eine Tagessuppe, Antipasti sowie vegane Desserts und Kuchen. Die komplett ohne tierische Zutaten arbeitende Versorgungsstelle verfügt zudem über eine eigene Nudelmanufaktur.
Urbaner Lebensstil
Die neue Errungenschaft an der TU passt zu dem Bild, das sich in letzter Zeit vom kulinarischen Standort Berlin geformt hat. Schließlich ist Berlin Deutschlands Hauptstadt der Veganer. Rein gefühlt wird jede Woche ein neues Restaurant oder Geschäft für diese Zielgruppe eröffnet, bevorzugt in den Szenekiezen innerhalb des S-Bahn-Rings. Bewusste Ernährung paart sich mit einem urbanen Lebensstil, der auch an Bekleidung und Accessoires zu erkennen ist. Manch ein Fleischesser oder auch Vegetarier fühlt sich angesichts dieses Trends, der durch entsprechende PR- und Influencer-Kampagnen auf allen medialen Kanälen unterfüttert wird, fast schon ausgegrenzt. Oder zumindest „von gestern“. Und so gar nicht hip. Ihnen mag es als Trost erscheinen, dass rein vegane Gastro-Betriebe in öffentlichen Einrichtungen bislang die Ausnahme sind.
Steigende Nachfrage
Fleischfans kontra Veganer? Von derlei Grabenkämpfen könne bei der Essenversorgung an den Berliner Hochschulen keine Rede sein, versichert Jana Judisch, die Sprecherin des Studierendenwerks Berlin. „Bei ,Veggie 2.0’ geht es weder um Missionierung noch um Ideologie“, sagt sie. Die Mensen werden auch weiterhin für alle Nachwuchsakademiker kochen, seien sie nun Fleischesser oder nicht. Deshalb bleibe auch die bisherige TU-Mensa erhalten, die täglich ein veganes Gericht anbietet. „Veggie 2.0“ sei eine Ergänzung. „Damit reagieren wir auf die steigende Nachfrage für vegane Speisen“, so Judisch. Bereits die vegetarischen Angebote seien ein „Riesenerfolg“. Dazu ein Beispiel: Die auf dem Gelände der Freien Universität beheimatete Mensa „Veggie No.1“ kocht seit neun Jahren vegetarisch und „klimafreundlich“, mitunter auch vegan.
Eine Umfrage unter Berlins Studenten hat laut Judisch ergeben, dass sich 13 Prozent vegan und 33 Prozent vegetarisch ernähren. „Diese Werte liegen weit über dem Bundesdurchschnitt.“ Schon jetzt seien 41 Prozent der Mensa-Gerichte frei von tierischen Erzeugnissen.
Datum: 26. April 2019. Text: Nils Michaelis. Bild: Jana Judisch/stW Berlin