Andere Bezirke und sogar Städte könnten dem Modell bald folgen.
Kürzlich zog das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine positive Bilanz zu den temporär eingerichteten Radwegen am Halleschen Ufer und in der Zossener Straße. Darauf begründet, würde man über eine Ausdehnung des Projektes in drei weiteren Straßen nachdenken. Diese Idee wurde prompt umgesetzt. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat das Amt die nächsten drei Strecken ausgewählt, die umgehend eingerichtet wurden. Das teilte die Behörde in einer Pressemitteilung mit. Insgesamt werden auf den Straßen beidseitige Radverkehrsanlagen von 2,5 Kilometern geschaffen.
Maßnahmen in drei weiteren Straßen
An der Petersburger Straße zwischen Landsberger Allee und Bersarinplatz wurde am 8. April beidseitig ein Radfahrstreifen angeordnet, der in Teilen durch Baustellenbaken geschützt werde. Damit wird eine ohnehin geplante Maßnahme in temporärer Form eingerichtet. Auch auf der Lichtenberger Straße zwischen Strausberger Platz und Holzmarktstraße und der Gitschiner Straße zwischen Zossener Straße, Lindenstraße und Böcklerstraße wurden beidseitig Radfahrstreifen errichtet.
Mehr Platz für Radverkehr
Laut Senatsverwaltung würden derzeit mit weiteren Bezirken Gespräche über Strecken geführt, die für temporäre Radwegen in Frage kommen. „Mit den temporären Radwegen schaffen wir in der Corona-Krise mehr Platz für den Radverkehr. So erreichen wir mehr Sicherheit für die Radfahrer, auch weil die Abstandsregeln auf Radwegen besser eingehalten werden können“, so Regine Günther (Grüne), Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Es würden vor allem dort temporäre Radwege markiert, wo bereits dauerhafte Radwege geplant sind, ergänzt die Politikerin.
Befürworter und Kritiker
Andere Bezirke, wie etwa Tempelhof-Schöneberg, reagieren positiv auf die Umsetzungen des Nachbarn und wollen dessen Beispiel folgen. So fordern die jeweiligen Fraktionen von SPD, Linke und Grüne ebenfalls temporäre Radfahrstreifen, etwa am Innsbrucker Platz, der Schöneberger Straße oder der Boelckestraße in Tempelhof und der Marienfelder Allee. Die CDU hingegen spricht sich dagegen aus. „Temporäre Radfahrstreifen machen keinen Sinn“, so Ralf Olschewski, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.
Der Verkehr sei nach Angaben der Berliner Verkehrsinformationszentrale VIZ durch die momentan geltenden Ausgangsbeschränkungen um knapp ein Drittel zurückgegangen. Dabei habe auch das Radverkehrsaufkommen abgenommen, da insgesamt weniger Wege in die Stadt zurückgelegt werden würden. Das Ziel, Wege im öffentlichen Raum auf ein Minimum zu beschränken, sei wichtig und richtig, führt Olschewski aus. „Nun Anreize dafür zu setzen, nicht unbedingt erforderliche Fahrten mit dem Rad zurückzulegen, ist der falsche Weg.“
Überregionale Aufmerksamkeit
Wie die Berliner Zeitung berichtet, habe Friedrichshain-Kreuzberg mit seinem Projekt inzwischen überregionale Aufmerksamkeit erlang: „Aus mehreren deutschen Städten haben wir schon Anfragen bekommen, wie wir das hinkriegen“, äußerte Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamts Friedrichshain-Kreuzberg, gegenüber der Tageszeitung. Zuletzt hätte es Anrufe aus Essen, Wiesbaden und Stuttgart gegeben.
Datum: 10. April 2020, Text: Redaktion, Bild: imago images/Emmanuele Contini (Symbolbild)