Vor der Schule wurden Kerzen und Blumen niedergelegt.
Vor der Schule wurden Kerzen und Blumen niedergelegt. Foto: Michael Ukas/dpa

Gosen-Neu Zittau (dpa/bb) – Die Gewalttat an einer Schule mit zwei Toten hat den kleinen Ort Gosen-Neu Zittau (Landkreis Oder-Spree) bis ins Mark erschüttert. Noch am Abend nach der Tat fanden sich weit über hundert Menschen an der Schule ein, um Blumen niederzulegen, Kerzen anzuzünden und gemeinsam zu trauern. Viele Menschen weinten und hielten sich in den Armen. Es herrschte eine bedrückende Stimmung.

«Das ist nichts, was normal ist an einer Schule», sagte Michael Kunz, Sprecher der Academedia Education GmbH, die Muttergesellschaft der Docemus-Schulen. «Die Schülerin war allen gut bekannt.» Es werde sehr schwer sein, zu irgendeiner Form der Normalität zurückzukehren, so Kunz. Man wolle nun schauen, wie es für die Schule mit Blick auf den Unterricht weitergehe. Die Schule sei am Freitag als «Begegnungsraum» und Ort der Trauer geöffnet. Mindestens die Hälfte der Schüler war laut Kunz am Vormittag teilweise mit Familienangehörigen zum Trauern gekommen.


18-Jährige und 30-jähriger Erzieher tot

Am Donnerstag waren bei einer Gewalttat an der Brandenburger Schule zwei Menschen getötet worden. Ein 19-jähriger Tatverdächtiger sitzt seitdem in Polizeigewahrsam. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelt es sich um eine Beziehungstat gegen eine der beiden Toten – eine 18-jährige Frau. Bei der Tat starb auch ein 30-jähriger Kita-Erzieher. Angaben zu dem möglichen Motiv und zum Tatwerkzeug machte die Polizei zunächst nicht. Nach Medienangaben soll es sich um ein Messer handeln.

Auch am Tag nach der Tat stand die Trauer in dem Ort mit rund 3.500 Einwohnern im Fokus. Immer wieder kamen Menschen in Gruppen vor die Schule. Es wurde viel geweint, getrauert. Es herrschte Stille und große Betroffenheit. «Für die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte auf dem Campus werden heute schulpsychologische Fachkräfte und ein Notfallteam des Schulamtes vor Ort sein. Niemand soll mit dem Erlebten allein bleiben», hieß es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung Oder-Spree. 

«Unfassbares erlebt»

«Unser Mitgefühl gilt in diesen Stunden den Angehörigen, den Freundinnen und Freunden der Opfer – und allen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften, die am Donnerstag Unfassbares erlebt haben», schrieb die Kreisverwaltung. «Wir sind dankbar für jeden Einzelnen, der in diesen Momenten für andere da war.» Man bitte nun darum, «den Betroffenen und ihren Familien jetzt den Raum zu lassen, den sie brauchen».

Brandenburgs Ministerpräsident hatte bereits am Donnerstag seine Bestürzung über die Tat zum Ausdruck gebracht. «Diese Tat erschüttert unser gesamtes Land. Meine Gedanken und mein tiefstes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei den Angehörigen der Opfer, ihren Familien und Freunden», sagte Dietmar Woidke (SPD).

Der Regierungschef sagte, die Schulen sollten ein Hort für unsere jungen Menschen sein. «Hier ist eine Schule zum Tatort einer unfassbaren Gewalttat geworden. Wir stehen an der Seite der gesamten Schulgemeinschaft – der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Eltern.» Woidke sagte weiter: «Wir müssen zusammenstehen und den Hinterbliebenen sowie der gesamten Schulfamilie die Unterstützung bieten, die sie in dieser schweren Zeit benötigen.»