Ein 51-Jähriger, der Wohnungs- und Haussuchende betrogen und über 600.000 Euro erlangt haben soll, steht in Berlin vor Gericht. (Foto Illustration)
Ein 51-Jähriger, der Wohnungs- und Haussuchende betrogen und über 600.000 Euro erlangt haben soll, steht in Berlin vor Gericht. (Foto Illustration) Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin (dpa/bb) – Weil er eine fremde Wohnung in 39 Fällen vermietet und so vereinbarte Kautionsbeträge erschlichen haben soll, steht ein 51-Jähriger vor dem Landgericht Berlin. Er habe aus diesen Taten fast 124.000 Euro erlangt. Zudem habe er in vier Fällen betrügerisch ein Einfamilienhaus zum Verkauf angeboten. Die Anklage lautet auf besonders schweren Betrug. Der 51-Jährige sagte zu Prozessbeginn, für die Taten sei nicht er, sondern sein damaliger Geschäftspartner verantwortlich.

Der Angeklagte soll eine Einzimmerwohnung mit Dachterrasse in Berlin-Mitte zwischen Anfang Oktober und Mitte Dezember 2023 zu einer Miete von monatlich 800 Euro angeboten haben, ohne Eigentümer der Wohnung oder sonst zur Vermietung berechtigt gewesen zu sein. Bei Besichtigungen habe er vorgegeben, selbst in der Wohnung gemeldet zu sein – «er ließ jedem Mietinteressenten eine Kopie seines Personalausweises zukommen, die hinsichtlich des Wohnortes manipuliert war», heißt es in der Anklage.


39 Mietverträge soll der mutmaßliche Betrüger abgeschlossen haben. Jeweils seien die Kaution in Höhe von zwei Monatsmieten zu je 800 Euro, die erste Mietzahlung sowie 1.000 Euro Abstand für die Küche auf sein Konto geflossen. «Zu einer Wohnungs- oder Schlüsselübergabe kam es – wie von Anfang an beabsichtigt – in keinem der Fälle», so die Staatsanwältin.

Festnahme vor rund vier Monaten

Im Fall des Einfamilienhauses habe sich der Mann mit Interessenten darauf geeinigt, einen niedrigeren Kaufpreis als eigentlich vereinbart notariell beurkunden zu lassen – die Differenz sollte ihm laut Anklage in bar ausgezahlt werden. Nach der Übergabe sei er allerdings von den Verträgen zurückgetreten, ohne das eingenommene Bargeld an die Käufer zurückzuzahlen.

Der Angeklagte, der sich seit rund vier Monaten in Untersuchungshaft befindet, wies eigene Betrugsabsichten zurück. Zunächst habe er selbst die Einzimmerwohnung von einem Bekannten mieten wollen – «ich bekam die Schlüssel, weil ich noch renovieren wollte», schilderte der Angeklagte. Als er die Wohnung «familiär» dann doch nicht mehr benötigte, habe sich sein Geschäftspartner dafür interessiert, dem sie allerdings zu klein gewesen sei. «Ich habe nicht gewusst, dass er dafür kassiert hat», sagte der Angeklagte.

Betrügereien bei vier Verkäufen eines Einfamilienhauses gab der 51-Jährige zwar zu, will nach seinen Angaben aber dazu gezwungen worden sein. An einer Tankstelle in Brandenburg sei er von einem Fremden angesprochen und im Namen seines Geschäftspartners mit einer Waffe bedroht worden. «Ich wurde instruiert, was ich bei den Hausverkäufen zu machen habe», so der Angeklagte. Das eingenommene Geld – insgesamt 490.000 Euro – habe er umgehend dem Fremden übergeben.

Der angebliche Geschäftspartner sei bis heute nicht auffindbar, hieß es am Rande des Prozesses. Für die Verhandlung sind bislang acht weitere Tage bis zum 26. November terminiert.