Frost und Eis bedrohen Brandenburgs Wildtiere. (Archivbild)
Frost und Eis bedrohen Brandenburgs Wildtiere. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa

Eberswalde/Beeskow (dpa/bb) – Wegen hartnäckigem Frost und Eis ist in einigen Regionen Brandenburgs die Notzeit für Wildtiere ausgerufen. Jäger müssen Waldbewohner wie Rehe und Hirsche füttern, um sie vor dem Verhungern zu bewahren. Die Notzeit gilt bislang in den Landkreisen Barnim und Oder-Spree. 

«Es war jetzt allerhöchste Zeit», sagte der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Kai Hamann. Er rechnet damit, dass die Notzeit um die zehn Tage gilt und noch mehr Landkreise dazukommen. Zuletzt habe es aufgrund der Wetterlage vor etlichen Jahren eine solche Regelung gegeben. 


Was bedeutet die Notzeit?

Sie dient als Überbrückung in einer Zeit, in der Wildtiere wegen starker Eisbildung und anhaltendem Frost nur schwer Nahrung finden. Zudem bringen dicke Eisschichten auch Verletzungsgefahren auf der Suche nach Futter mit sich, wie der Jagverband erklärte. 

«Laut Bundesjagdgesetz gehört auch zum Jagdschutz, dass Wild nicht unter Futternot leiden darf», teilte der Landkreis Barnim mit. Die Verfügungen der Unteren Jagdbehörden in den Landkreisen sind zeitlich begrenzt. Normalerweise dürfen Jäger Wildtiere nicht füttern.

Was ist erlaubt und sinnvoll?

«Man kann nicht einfach in den Wald gehen und Heu abkippen», sagte Hamann, der als Jäger im Barnim gerade selber Futter verteilt. Die Futterstellen sollen nicht direkt an Wegen oder Siedlungen liegen, sondern an Plätzen, an denen die Wildtiere normalerweise Nahrung finden. Zudem sollten sie dort auch Ruhe haben. 

Der Landkreis Barnim teilte mit: «Die ausgebrachten Futtermengen dürfen nur den unbedingt notwendigen Umfang zur Überbrückung der Notzeit umfassen.»

Das Futter für Rehe und Hirsche sollte sich nach den Empfehlungen des Jagdverbandes aus Heu und Grassilage sowie Futterrüben und Mohrrüben zusammensetzen. Wildschweine sollten nur Mais, Getreide und Baumfrüchte bekommen. 

Tabu sind Stroh, aber auch Brot und Küchenabfälle. Privatleute sollten auch nicht loslaufen und Heu verteilen, mahnte Hamann.

Welche Folgen hat das für die Jagd? 

Der Abschuss von Wild ist in einem Umkreis von 200 Metern um Fütterungsstellen untersagt. Der Landesjagdverband Brandenburg empfiehlt darüber hinaus eine großflächige Jagdruhe. Der Landkreis Barnim hat per Allgemeinverfügung die Jagdausübung während der Notzeit komplett verboten. 

Wie sollen sich Waldbesucher verhalten? 

Spaziergänger im Wald sollen auf Wegen bleiben und ihre Hunde an der Leine lassen. Ruhiges Verhalten ist wichtig. «Der Stoffwechsel der Wildtiere ist im Winter stark reduziert, um Energie zu sparen», erklärte der Jagdverband. Jede unnötige Beunruhigung führe zu zusätzlichem Energieverlust und erhöhe das Risiko von Verletzungen durch Flucht über vereiste Flächen.