Leuna/Premnitz (dpa) – Obwohl es der Chemiebranche derzeit historisch schlecht geht, will Insolvenzverwalter Lucas Flöther bis April einen Investor für die deutschen Standorte von Domo Chemicals finden – und ist sich sicher: Er hat für mögliche Geldgeber etwas Besonderes in petto. «Auch wenn der Markt im Augenblick nicht einfach ist, sind die beiden modernen Standorte interessant», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. In Leuna würden Grundstoffe hergestellt, die in Premnitz veredelt werden. «Wir haben mehrere Interessenten», so Flöther.
Das Chemieunternehmen hatte kurz vor Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet und erklärt, die Produktion sofort stoppen zu müssen. Wenige Tage später schaltete sich das Land Sachsen-Anhalt ein und entschied, den Betrieb vorerst am Laufen zu halten. So konnte die Suche nach Investoren weitergehen.
Eingeschränkte Produktion, aber immerhin
Laut der Anordnung des Landes dürfen die Domo-Anlagen derzeit aus Sicherheitsgründen nicht vollständig heruntergefahren werden. Solange das so ist, bleibt das Unternehmen verkaufsfähig, erklärte Flöther. «Der Betrieb der Anlage ist gesichert, wir können die Anlage nicht nur warmhalten, sondern zumindest in eingeschränktem Umfang produzieren und halten uns damit gemeinsam die Chance, jemanden zu finden, der zuverlässig ist», beschrieb er den Ist-Zustand. «In der Kombination dieser beiden Werke, dazu noch mit den dazugehörigen ausländischen Tochtergesellschaften in Polen und Indien, sind die Vermarktungschancen deutlich besser.»
Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz in Brandenburg hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeitende.
Zahl der Interessenten unklar
Wie viele Interessenten es für die Domo-Standorte gibt, sagte Flöther nicht. Unter ihnen seien aber «nicht nur Finanzinvestoren, sondern auch sehr namhafte strategische Investoren – also Unternehmen aus der Branche», betonte er. Auch das, laut Flöther, ein Grund für Zuversicht. Auf der Suche nach einem Geldgeber sei auch noch ein weiterer Punkt günstig. «In einem Insolvenzverfahren kann ein Investor den Geschäftsbetrieb ohne Altverbindlichkeiten übernehmen. Außerhalb eines Insolvenzverfahrens ist das nicht möglich.»
Denkbar sei eine Übernahme beider Standorte sowie auch der dazugehörigen Tochtergesellschaften der Fall sein – oder auch «Einzellösungen», sagte Flöther. In Ostdeutschland, vor allem im Chemie-Dreieck in Sachsen-Anhalt, wo auch Domo seinen Standort hat, zeigt sich zurzeit in besonderer Art, wie schlecht es um die Chemiebranche steht.
Flöther: Probleme waren früh zu erkennen
Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland zählt laut der Gewerkschaft IG BCE 48.000 Beschäftigte in den tarifgebundenen Unternehmen und hat demnach einen Jahresumsatz von über 30 Milliarden Euro. Jüngst hatte der Chemiekonzern Wacker Rekordverluste gemeldet. Dow Chemical hatte schon vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll.
Hunderte Domo-Mitarbeitende wissen derzeit nicht, ob oder wie es demnächst weitergeht. «Die Beschäftigten haben natürlich schon deutlich vor dem Insolvenzantrag am ersten Weihnachtsfeiertag mitbekommen, dass etwas nicht stimmt – wenn die Produktion stockt und keine Rohstoffe nachgekauft werden», so Flöther. Spätestens seit Weihnachten hängen sie nun schon in den Seilen. Auch deshalb versuche er, ihnen «mit Ehrlichkeit und klaren Worten zu begegnen», so Flöther.

