
Berlin (dpa/bb) – Die ersten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg haben nach Ansicht der Gewerkschaft IG Metall die Erwartungen erfüllt. «Das war ein starker Start in die Warnstreik-Phase», sagte der IG Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Jan Otto. «In den nächsten Tagen werden wir die Arbeitsniederlegungen mit voller Kraft fortsetzen, bis die Arbeitgeber zu einem verhandlungsfähigen Angebot bereit sind.»
Die Arbeitgeber kritisierten die Warnstreiks: «Wenn die Gewerkschaft ausgerechnet in dieser für unsere Branche schwierigen Situation Streikrituale pflegt, hat sie den Ernst der Lage nicht verstanden», sagte Henning Brandes, Verhandlungsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME).
Gewerkschaftsangaben zufolge haben in Berlin, Brandenburg und Sachsen am Montag mehr als 1.000 Beschäftigte zeitweise die Arbeit niedergelegt. Schwerpunkt sei in der Hauptstadt gewesen. Die Beschäftigten hätten «ein deutliches Signal an die Arbeitgeber gesendet, dass das Angebot aus der zweiten Verhandlungsrunde nicht akzeptabel ist», sagte Constantin Borchelt, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Berlin.
Ausstände bei Siemens, Mercedes und Rheinmetall
In Berlin begann der Warnstreik in der Nacht bei Siemens Energy mit einem einstündigen Ausstand. Im Laufe des Tages folgten unter anderem Arbeitsniederlegungen bei Mercedes-Benz, Rheinmetall und Siemens Mobility. In Brandenburg wurde bei Mahle Pumpensysteme gestreikt.
In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie hatte die Arbeitgeberseite zuvor in allen Bezirken das gleiche Angebot vorgelegt. Es umfasst unter anderem eine Tariferhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 sowie eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts im kommenden Jahr. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 laufen. Die Einmalzahlung soll laut Arbeitgeberseite automatisch ausgesetzt werden können, wenn Unternehmen kaum noch Geld verdienen.
Im Laufe der Woche folgen weitere Warnstreiks
Die Gewerkschaft lehnte die Offerte auch in Berlin und Brandenburg ab. Die IG Metall fordert für die rund 96.000 Beschäftigten in den beiden Bundesländern 5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will sie in den Verhandlungen über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung der unteren Entgeltgruppen sprechen.
Im Laufe der Woche will die Gewerkschaft mit weiteren Ausständen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.