Eine solche Medaille erhalten Hegemann und Nagel am 10. Dezember in Stockholm.
Eine solche Medaille erhalten Hegemann und Nagel am 10. Dezember in Stockholm. Foto: Steffen Trumpf/dpa

Stockholm (dpa) – Kaum hat die Woche der Nobelpreis-Bekanntgaben begonnen, blickt die Welt nach … Deutschland! Zumindest teilweise, denn gleich zwei deutsche Wissenschaftler sind unter den drei diesjährigen Medizin-Nobelpreisträgern. Das ist kein Novum, aber dennoch etwas Besonderes. Was man sonst noch über den diesjährigen Medizin-Nobelpreis wissen sollte: 

Jubiläum bei den Nobelpreisen

1901 wurden die allerersten Nobelpreisträger gekürt – also vor genau 125 Jahren. Zur Feier dieses Jubiläums bekommen die Preisträger in diesem Jahr eine Preisgelderhöhung auf zwölf Millionen schwedische Kronen pro Kategorie, das sind eine Million Kronen mehr als in den Vorjahren und umgerechnet nun etwa 1,06 Millionen Euro. Kleiner Haken für die Medizin-Nobelpreisträger Karl Deisseroth aus den USA, Peter Hegemann von der Humboldt-Universität zu Berlin und Georg Nagel von der Universität Würzburg: Sie müssen sich diese Summe teilen. Dafür dürfen die Preisträger generell mit ihrem Preisgeld machen, was sie wollen.


Deutscher Doppelsieg

In der 125-jährigen Nobelpreis-Geschichte haben deutsche Wissenschaftler, Literaten und Friedensstifter in allen Kategorien Preise eingeheimst – aber gleich zwei deutsche Preisträger auf einmal in ein und derselben Kategorie? Das gab es beim Medizin-Nobelpreis zuletzt vor genau 35 Jahren, als Erwin Neher und Bert Sakmann gemeinsam für ihre Methode zum direkten Nachweis von Ionenkanälen in Zellmembranen ausgezeichnet wurden.

Was bitte ist Optogenetik? 

Auch die Auszeichnung von Deisseroth, Hegemann und Nagel hat etwas mit Ionenkanälen zu tun: Die drei Forscher werden für ihre Entdeckungen zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik geehrt. Opto-was? Dabei handelt es sich um eine Methode, mit der sich Zellen mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. «Das Wichtigste daran ist, dass es eine völlig neue Dimension für unser Verständnis dafür eröffnet, wie das Gehirn funktioniert», sagte Anna Wedell von der Nobelversammlung des Stockholmer Karolinska-Instituts der Deutschen Presse-Agentur. Nun könne man bestimmte Nervenzellen gezielt an- und ausschalten und sehen, was passiere. Auf diese Weise könne man Verhalten, Emotionen und sogar Erinnerungen im lebenden Gehirn bestimmten Nervenzellen zuordnen.

Ein bahnbrechender Fund aus Neugier

Wenn man an Gehirne denkt, denkt man vermutlich nicht direkt an einzellige Algen, die in der Lage sind, in Richtung einer Lichtquelle zu schwimmen. Hegemann und Nagel hatten aber gerade das bei ihrer Forschung im Sinn – mit nicht geahnten Folgen. «Peter Hegemann und Georg Nagel hatten nicht geplant, das Gehirn zu erforschen. Sie waren einfach neugierig auf die Algen», sagt Wedell. Dank dieser Neugier habe sich etwas extrem Nützliches für die Hirnforschung entwickelt. «Das zeigt uns eindrücklich, dass wir weiterhin solche grundlagenorientierte, neugiergetriebene Forschung betreiben müssen – denn man weiß nie, wo es die entscheidenden Durchbrüche geben wird», sagt Wedell.