
Berlin (dpa/bb) – Steffen Baumgart ist nach seiner längeren Auszeit wieder bereit für eine Rückkehr ins Fußballgeschäft. Konkrete Angebote gab es für den Ex-Coach des 1. FC Union Berlin aber noch nicht. «Ich habe kein einziges Gespräch geführt, das in irgendeine Richtung ging, einen Verein zu übernehmen», sagte der 54-Jährige im Interview dem «Kölner Stadtanzeiger».
Er sei offen für vieles, auch für einen Job im Ausland. «Wünsche mache ich mir aber keine, das finde ich immer Blödsinn. Ich warte, was kommt, und wenn es interessant ist, dann guckt man. Aber es gab keinerlei Gespräche. Das ist meistens nur heiße Luft», sagte der frühere Profi.
Baumgart hatte im Januar 2025 den Chefposten von Bo Svensson beim 1. FC Union übernommen. Nach Platz 13 in der Saison 2024/25 wurde er nach dem 29. Spieltag der Saison 2025/26 von seinen Aufgaben entbunden, die Köpenicker lag damals auf Tabellenrang elf der Bundesliga. Im September einigte sich Baumgart mit dem Hauptstadtclub dann auf eine Auflösung seines noch bis 30. Juni 2027 laufenden Vertrages.
Keinen Kontakt mehr zur Union-Führung
Die Trennung habe er verarbeitet. Und er hege keinen Groll gegen Präsident Dirk Zingler und Sportchef Horst Heldt. Dennoch bleibt offenbar ein bisschen was zurück: «Es gibt auch keinen Kontakt mehr. Das ist erledigt. Jeder hat seine Aufgaben, jeder hat sein Leben.»
Bei seiner Entlassung sei es auch eher um die Geräusche drumherum, davor und danach gegangen. «Ich habe zweimal ganz klar die Liga gehalten. Ich kenne die Verantwortlichen teilweise seit 20 bis 25 Jahren. Und dann binnen weniger Minuten ist alles vorbei. Ich bin Dauerkartenbesitzer bei Union. Das ist einfach auch das Traurige», sagte der gebürtige Rostocker.
Keine Grenzen mehr in den Sozialen Medien
Zugleich blickt er mit Sorge auf die Entwicklungen in den Sozialen Medien, nicht nur was den Fußball betrifft. «Ganz viele Menschen glauben, sie wissen, wie dieser Job funktioniert, und sind klüger als der Trainer. Mittlerweile gibt es gar nichts Positives mehr. Das alles ist leider ein Phänomen unserer Gesellschaft und eine Entwicklung, die mich besorgt und nachdenklich macht», sagte Baumgart.
Grenzen seien dabei schon lange überschritten worden, so der Fußballlehrer, der in seiner Karriere im Profibereich zudem den SC Paderborn, 1. FC Köln und Hamburger SV gecoacht hatte. «Wir haben doch gar keine Grenzen mehr.»