Der in Berlin lebende Schriftsteller Sven Regener widmet sich in seinem neuen Roman erneut dem Berlin der 80er Jahre.
Der in Berlin lebende Schriftsteller Sven Regener widmet sich in seinem neuen Roman erneut dem Berlin der 80er Jahre. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin (dpa/bb) – Der Autor Sven Regener vermisst die 80er Jahre nicht. «Nein, ich sehne mich überhaupt nicht in die 80er Jahre zurück. Es ist auch wirklich eine verschwundene Welt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Über Berlin und speziell Kreuzberg in dieser Zeit hat der inzwischen 65-jährige Musiker und Autor allerdings immer wieder geschrieben, auch in seinem neuen Roman «Frankie und Freddie». 

Er spielt am Tag vor Heiligabend 1980, nicht nur, aber vor allem im raueren SO36 genannten Teil Kreuzbergs, wo Regener selbst schon lange nicht mehr wohnt. «Es gibt schon öfter Gründe, noch nach Kreuzberg zu kommen, auch in die Ecke von damals», sagte er. «Natürlich erkennt man vieles wieder. Aber so eine Stadt verändert sich auch dauernd. Sonst wäre es ja auch eher ein Museumsdorf.»


Kreuzberg hat sich verändert

«Die meisten Clubs und Kneipen in SO36 sind weg. Aber genau dasselbe konnte man auch Anfang der 80er Jahre sagen, wenn man da 20 Jahre zurückguckte», so der Schriftsteller. «Und wenn wir heute auf die 80er Jahre zurückgucken, sind das 40 Jahre.» Das sei in so einer Stadt wie Berlin eine Ewigkeit. «Also insofern wüsste ich nicht, warum ich mich da aufregen sollte.»

Die «Madonna Bar», Vorbild für das «Café Einfall» in Regeners Romanen, gebe es noch, so der Autor, der auch als Sänger und Trompeter der Band Element of Crime bekannt ist. «Und es gibt auch viele Touristenkneipen. Es ist ohnehin touristischer geworden und es wird jetzt auch viel Englisch gesprochen in Kreuzberg. Die Welt dreht sich weiter und Dinge verändern sich.»

«Mit der Gentrifizierung ist es ja nicht ganz so schlimm, wenn da wenigstens noch Leute wohnen», erklärte Regener. «Das Schlimmste finde ich, wenn man in New York sieht, dass ganz viele Wohnungen einfach verkauft wurden und dann kommt einmal im Jahr jemand für 14 Tage und in der übrigen Zeit ist alles leer. Diese Art von um die Welt schwappendes Geld führt dazu, dass ganze Stadtviertel veröden. Von der Verdrängung der Leute mal ganz zu schweigen.»