Laut einer aktuellen Studie des Dresdner Ifo-Instituts haben ostdeutsche Hochschulstandorte besonders von EU-Strukturfördermitteln profitiert. (Symbolbild)
Laut einer aktuellen Studie des Dresdner Ifo-Instituts haben ostdeutsche Hochschulstandorte besonders von EU-Strukturfördermitteln profitiert. (Symbolbild) Foto: Robert Michael/dpa

Dresden (dpa) – Der Osten Deutschlands hat in den vergangenen Jahren deutlich stärker von EU-Strukturfördermitteln profitiert als der Westen. Wie aus einer Studie des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in Dresden hervorgeht, sind fast zwei Drittel der insgesamt 21 Milliarden Euro an Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF), die in den Jahren 2014 bis 2020 nach Deutschland geflossen sind, nach Ostdeutschland gegangen.

In der Region lebt zugleich rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung, heißt es weiter. Die damit angestoßenen Gesamtinvestitionen lagen im Schnitt bei 707 Euro je Einwohner in Ostdeutschland, in Westdeutschland bei 153 Euro. 


Schwerpunkt der EU-Förderung lag auf Hochschulstandorten

Nach Ansicht von Joachim Ragnitz, Vizechef des Dresdner Ifo-Instituts, hat die EU-Förderung die strukturschwachen Regionen Deutschlands spürbar gestärkt. «Unsere Berechnungen zeigen, dass ein Euro EU‑Förderung langfristig zu zwei Euro zusätzlichem Bruttoinlandsprodukt (BIP) führt», sagte der Wirtschaftsexperte. Besonders wirksam seien Ausgaben für Forschung, Wissenstransfer und Innovation. Nach den Berechnungen des ifo-Instituts lag der Anteil der mit EU-Mitteln in Ostdeutschland kofinanzierten Projekte am BIP bei rund 0,23 Prozent.

Die Förderung konzentrierte sich den Forschern zufolge im Osten besonders auf wirtschaftsstärkere Städte, die im Ost‑West‑Vergleich noch deutliche Rückstände zu westdeutschen Zentren haben. Rund 39 Prozent der EFRE-Investitionen gingen laut Studie in Forschung und Innovation. Hier wurden Dutzende Projekte an ostdeutschen Hochschulen gestärkt – etwa der Technischen Universität Ilmenau, der Otto‑von‑Guericke‑Universität Magdeburg oder der Technischen Universität Dresden. 

Insgesamt zielten 66 Prozent aller EFRE-Mittel direkt auf Wachstum und Beschäftigung ab, heißt es im Fazit der Studie. Das Geld sei vor allem für öffentliche Investitionen verwendet worden – etwa für Infrastruktur oder die direkte Förderung kleinerer Unternehmen. Angesichts der laufenden Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen 2028 bis 2034 warnte Ragnitz vor einer Kürzung der Gelder. «Eine Einschränkung der EU‑Förderung könnte gravierende negative Wirkungen haben», sagte er mit Blick auf die angespannte Finanzlage vieler ostdeutscher Länder und Kommunen.