
Berlin (dpa/bb) – Als mutmaßliche Bande sollen sie Vaterschaftsanerkennungen und Scheinehen für vietnamesische Staatsangehörige vermittelt haben: Sechs Männer und zwei Frauen stehen vor dem Landgericht Berlin. Die Staatsanwaltschaft legt den 39- bis 74-Jährigen gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern zur Last. Der 70-jährige Hauptangeklagte habe insgesamt rund 140.000 Euro erlangt. Ob sich die Angeklagten äußern werden, blieb zu Prozessbeginn zunächst offen.
Im Prozess geht es um 16 Taten zwischen Februar 2016 und Dezember 2021. Die vietnamesischen Staatsbürgerinnen und -bürger sollen laut Ermittlungen eine Vermittlungsgebühr zwischen 2.000 und 35.000 Euro gezahlt haben, damit die Bande ihnen einen Aufenthaltstitel in Deutschland verschafft. Die Angeschuldigten hätten ihnen deutsche Staatsangehörige gesucht, die gegen Geld mit einer Eheschließung oder einer Vaterschaftsanerkennung einverstanden gewesen seien.
10.000 Euro für Scheinehepartner
Die Scheinehepartner sollen bis zu 10.000 Euro erhalten haben. Die vermittelten deutschen Männer, die missbräuchlich Vaterschaften anerkannt haben sollen, seien mit Beträgen zwischen 500 und 2.000 Euro entlohnt worden.
Laut Staatsanwaltschaft sollen sich 14 Frauen und zwei Männer an den 70-jährigen Angeklagten gewandt haben, um eine Legalisierung ihres Aufenthalts in Deutschland zu erhalten. Der aus Vietnam stammende Mann, der in Berlin lebt, sei der erste Ansprechpartner für die schleusungswilligen Personen gewesen – «im Rahmen der Bandenabrede oblag ihm die Hauptorganisation der Scheinehen und Vaterschaftsanerkennungen», so die Anklage. Mittäter hätten sich unter anderem um die Beschaffung der erforderlichen Dokumente gekümmert.
Zu Aussagen von Angeklagten könnte es nach Angaben von Prozessbeteiligten möglicherweise am zweiten Tag am 13. Oktober kommen. Das Verfahren gegen einen neunten Angeklagten war im Vorfeld des Prozesses abgetrennt worden. Sechs weitere Verhandlungstage bis zum 9. Dezember sind bislang terminiert.
