Nach Potsdam tritt Rushdie noch in Köln und München auf.
Nach Potsdam tritt Rushdie noch in Köln und München auf. Foto: Jens Kalaene/dpa

Potsdam (dpa) – Es ging um Tod und Lügen, um Shakespeare und die Tanzkünste von Günter Grass: Salman Rushdie hat seine kurze Buchtour in Deutschland in Potsdam begonnen. Mit Literaturkritiker Denis Scheck sprach der 78-Jährige über sein neues Buch und sein Leben als Schriftsteller. Schauspielerin Ursina Lardi las aus der deutschen Übersetzung. Die Geschichten in «Die elfte Stunde» drehen sich um das Thema Tod. Es ist das erste Belletristik-Werk seit dem Anschlag auf sein Leben im Sommer 2022. Bei einer Lesung hatte ein Mann auf ihn eingestochen. Das Messer durchtrennte seinen Sehnerv. Seitdem ist er auf einem Auge blind und trägt eine Brille mit abgedunkeltem Glas.

Im Jahr 1989 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini wegen des als blasphemisch empfundenen Romans «Die satanischen Verse» zur Ermordung des Autors aufgerufen, jahrelang lebte Rushdie versteckt. Bei der Lesung in Potsdam standen Polizisten vor der Tür, es gab Taschenkontrollen.


Zum 100. Geburtstag eine Tanzparty

So ernst der Rahmen war, der Abend war von Rushdies Tiefgründigkeit und leisem Humor geprägt. Das Thema Alter nimmt er gelassen: Zu seinem 100. Geburtstag schwebt ihm eine Tanzparty vor, wie er sagte. Er erinnerte an eine Feier zu einem runden Geburtstag seines Schriftstellerkollegen Günter Grass in Hamburg. Der sei ein brillanter Tänzer gewesen, alle Mädchen hätten für ihn angestanden. 

Auf die Frage am Schluss, was er in seinen mehr als 50 Jahren als Schriftsteller und mit der Tyrannei des weißen Blattes konfrontiert über sich gelernt habe, erklärte Rushdie, dass zwischen der Ambition und der Umsetzung eines Projekts meistens eine Lücke klaffe. «Und deine Aufgabe als Schriftsteller ist es, diese Lücke so klein wie möglich zu bekommen.» Man träume immer größer, als man es erreichen könne, das sei das menschliche Leben. Man müsse das akzeptieren. «Wir sind nicht so gut, wie wir denken.»
 
Die Veranstaltung im Nikolaisaal gehörte zum Literaturfestival Lit.Potsdam, im Publikum saß auch Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD). Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) betonte, es sei ein Geschenk, dass die Deutschlandpremiere seines neuesten Werkes Rushdie nach Potsdam führe. Er ist noch in Köln und München zu Gast.