Berlin (dpa) – Tim Walter hatte Hertha BSC mit Holstein Kiel gerade schon mächtig geärgert, da zog der Trainer der Norddeutschen noch einen ganz bitteren Vergleich. «Jahrelang» sei es ihm mit dem Hamburger SV so ergangen, wie seinem Kollegen Stefan Leitl mit der Hertha. Dominanter Fußball ohne Ertrag. Gefangen in der Fußball-Zweitklassigkeit über Jahre.
«Da musste ich mich auch den Fragen entgegenstellen. Und so tue ich ihn nicht beneiden darum», schloss Walter nach dem mega-glücklichen 1:0 der Kieler gegen die wieder einmal enttäuschten Berliner. Den Fragen stellte sich Hertha-Coach Leitl. Und die Antworten waren frustrierend.
«Diese Qualität, dann auch in dem Moment zu sein, in dem Moment zu leben, um diese Aktionen auch qualitativ sehr gut auszuführen, die fehlt halt oftmals. Und deswegen ist es so, dass du so ein Spiel dann am Ende verlierst», sagte Leitl zu dem erneuten Chancenwucher.
Statistiken nutzen Hertha nichts
2,49 Tore hätte die Hertha erzielen müssen, errechneten die Statistiker anhand der vielen Chancen. 0,28 die Kieler, deren einziger Schuss aufs Tor durch Jonas Therkelsen drin war und drei wichtige Punkte im Abstiegskampf brachte.
Die Hertha hat allein in den letzten drei Spielen acht Zähler liegen lassen und alle Aufstiegsmöglichkeiten verschenkt. Die miese Bilanz nervt kaum einen so sehr wie Fabian Reese, dessen Körpersprache nach dem Spiel Distanz ausdrückte. «Hier gab es eine Mannschaft, die Fußball gespielt hat, eine Mannschaft, die in allen Belangen besser war, außer im Tore schießen. Leidiges Thema», sagte er.
Sechs Heimniederlagen sind viel zu viele für ein Spitzenteam. «Dann hat man es nicht verdient, weiter in der Tabelle oben zu stehen. Ich will gar nicht irgendwie über ganz oben reden, aber auch keinen Platz höher, als wir es gerade sind. Wir haben zu wenig Spieler, die verlässlich viele Tore schießen, und dann kann man nicht sehr gut bestehen in der 2. Liga», kritisierte der Kapitän.
Mitgliederversammlung am Sonntag
«Ich bin tierisch enttäuscht von dem heutigen Spiel. Und was im Sommer passiert, müssen wir schauen», schloss Reese. Klingt das etwa doch nach Abschied des Unterschiedspielers? Bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in der Berliner Messe wird die Stimmung wieder einmal angespannt sein.
Fakt ist: Die Hertha dominierte die Partie in den Retro-Shirts, die an den Berliner Meistertitel vor 120 Jahren erinnerten. Dass es vor 47.280 Zuschauern im Olympiastadion nicht zu einem Tor reichte, lag an einer fahrlässigen Chancenverwertung und auch an Günter Perl. Der Videoreferee griff nach dem Blitztreffer von Josip Brekalo (2.) erstmals ein. Luca Schuler stand im Abseits.
Zweiter VAR-Check gegen Hertha
Tief in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wurde ein Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Robert Kampka revidiert. Diesmal war Deyovaisio Zeefuik denkbar knapp im Abseits erwischt worden. «Lass uns nicht drüber sprechen», sagte Leitl zum kontroversen VAR-Thema.
Zwischen den Videourteilen lagen 45 Minuten Hertha-Dominanz und einige gute Paraden von Kiels Torwart Timon Weiner. Die Berliner hätten auch in der zweiten Halbzeit vor dem Gegentreffer längst die Führung erzielen müssen.
Kiel machte keine Anstalten, die erstaunliche Passivität im Kreativspiel zu beheben. Die Hertha hatte durch Schuler (56.) die nächste gute Chance. Als Weiner schon geschlagen war, klärte Marko Ivezic (61.) einen Schuss von Michael Cuisance kurz vor der Linie. Und kurz darauf machte Therkelsen mit seinem Tor aus kurzer Distanz einen absurden Spielverlauf perfekt.
