Andrea Bunar startet in ihre 15. Saison als Kahnpostfrau.
Andrea Bunar startet in ihre 15. Saison als Kahnpostfrau. Foto: Patrick Pleul/dpa

Lübbenau (dpa/bb) – Auf acht Kilometern Wasserweg durch die Spreewald-Kanäle: Andrea Bunar bewegt wieder den berühmten Kahn der Deutschen Post durch das brandenburgische Dorf Lehde. Hollywoodschaukel, Aluminium-Gewächshaus, Kühlschränke, Gartenhecke, Apfelbaum, XXL-Strandkorb Fußballtor: All das hat die 55-Jährige schon ausgeliefert.

Es ist Bunars 15. Saison, die nun im Frühling wieder startet und das Staken hat sie abgehärtet: «Den Kahn bewege ich mit reiner Muskelkraft. Ich brauche kein Fitnessstudio», sagt die 55-Jährige. «Muskelkater in den Armen ist in den ersten Wochen nach dem Saisonstart inklusive.» Pro Woche liefert sie laut Deutscher Post mehr als 600 Briefe und Postkarten sowie rund 80 Pakete aus.


Wenn der Postkahn wie ein kleines Containerschiff aussieht

Vormittags ist Bunar mit einem Elektrofahrzeug in der Stadt Lübbenau auf Zustelltour. Gegen Mittag belädt sie ihren gelben Kahn mit Briefen und Paketen und setzt ihre Tour auf dem Wasser fort – manchmal sehe der aus wie ein «kleines Containerschiff». 

Sie freue sich, nach der Winterpause wieder auf den Postkahn umzusteigen: «Es ist schön, auf dem Wasser etwas Ruhe und Gelassenheit zu tanken.» Für die Bewohnerinnen und Bewohner gehöre sie zum festen Bestandteil ihres Alltags – manchmal auch in sorbischer Tracht.

Die Zustellung per Spreewaldkahn ist eine postalische Tradition: Es gibt sie bereits seit 129 Jahren. Davor holten die Einheimischen der Region ihre Post sonntags beim Kirchgang ab. Der Kahn fährt jährlich von April bis Oktober. Im Winter steuert Bunar ein Postauto, muss dann aber lange Strecken über Brücken und zugefrorene Fließe zu Fuß zurücklegen.