Viele politische Gegner wurden eingesperrt. (Archivbild)
Viele politische Gegner wurden eingesperrt. (Archivbild) Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Potsdam (dpa/bb) – Der Bedarf an Traumaberatung bei Gesundheitsschäden durch politisches Unrecht in der DDR scheint in Brandenburg mehr als 35 Jahre nach der Wende noch immer groß zu sein. «Die Nachfrage ist seit Beginn der Traumaberatung für diesen Personenkreis hoch. Alle zur Verfügung stehenden Termine sind in der Regel vergeben», sagte Petra Morawe, die im Auftrag der Aufarbeitungsbeauftragten die Traumaberatungen durchführt. Inzwischen gebe es eine Warteliste.

Angebot für politisch Verfolgte

Das Land Brandenburg bietet für ehemals politisch Verfolgte sowie deren mitbetroffene Angehörige eine Traumaberatung an. «Das Angebot richtet sich an alle, die sich bis heute durch die Folgen des politischen Unrechts stark belastet fühlen oder die einen Menschen begleiten, der in der Sowjetischen Besatzungszone und DDR traumatische Erfahrungen machen musste», hieß es von den Organisatoren. 


Häufig hätten die Menschen eine Vielzahl von Verfolgungsmaßnahmen erlitten, berichtete Morawe. Einweisungen in Umerziehungsheime der DDR-Jugendhilfe, politische Haft, Rufschädigung, Psychoterror oder berufliche Verfolgung zählten zu den häufig vorkommenden Schilderungen. «In den meisten Fällen war es nicht eine Maßnahme die zur gesundheitlichen Schädigung führte, sondern ein Bündel von staatlichen repressiven Maßnahmen, die über einen längeren Zeitraum zum Einsatz kamen.»

Verfolgung mündet in psychische Probleme

Daraus entwickelten sich posttraumatische Belastungsstörungen, die in gesundheitliche und soziale Störungen mündeten. «Dazu gehören schwere Schlaf- und Entspannungsstörungen mit wiederkehrenden Albträumen und depressiven Symptomen», erklärte die Traumaberaterin. Bei vielen würden sich «Vertrauensverluste in die Mitmenschen» und etwa Misstrauen gegenüber Behörden und medizinischen Einrichtungen herausbilden.

Doch warum suchen manche Betroffene erst so spät nach Hilfe? Für viele galt es, «ins normale Leben zurückzufinden», so Morawe. Sie mussten im Alltag funktionieren. Arbeit, Unterhalt verdienen, Familienleben aufbauen oder Kindererziehung brauchten ihre Energien, «so dass weder Zeit, Raum noch verständnisvolle Vertraute vorhanden waren, um sich der Traumaerfahrung zu stellen». Außerdem war es für die Betroffenen und deren soziales Umfeld in der DDR-Zeit mitunter gefährlich, sich anderen gegenüber anzuvertrauen. Die DDR-Sicherheitsorgane drohten etwa bei der Entlassung mit erneuter Bestrafung.

In den kommenden Tagen bietet die Traumaberatung wieder Gespräche an. Die nächsten Stationen sind unter anderem Fürstenwalde, Potsdam, Prenzlau, Senftenberg und Neuruppin.