
Berlin (dpa/bb) – Die mehr als 70 Umspannwerke des Berliner Stromnetzbetreibers Stromnetz Berlin sind inzwischen besser vor Anschlägen gesichert. Sie wurden mit einem 2,40 Meter hohen Zaun mit Stacheldraht ausgerüstet und werden videoüberwacht, wie das Unternehmen mitteilte. Insgesamt 20 Kilometer Zaun seien auf diese Weise verstärkt oder neu errichtet worden.
Entsprechend abgesichert sind auch die beiden Strommasten, die im September vergangenen Jahres bei einem Brandanschlag in Johannisthal zerstört wurden, was einen großflächigen Stromausfall im Südosten der Hauptstadt zur Folge hatte.
Zäune sind Teil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts
Die verstärkten Zäune sind ein Bestandteil des Sicherheitskonzepts zum Schutz von kritischer Infrastruktur, das die Senatsverwaltung im Mai vorgestellt hatte. Dieses umfasst technische, organisatorische und physische Maßnahmen.
Zu den technischen Maßnahmen zählen eine verstärkte, auch KI-gestützte Videoüberwachung sowie die Schaffung sogenannter Georedundanzen, also doppelt vorhandener Systeme, die räumlich ausreichend voneinander entfernt sind, um nicht Ziel eines einzigen Angriffs werden zu können.
Mit organisatorischen Maßnahmen ist die Verbesserung bestehender Krisen- und Notfallpläne gemeint, um im Falle eines Ausfalls kritischer Infrastruktur schneller reagieren zu können. Konkret geht es um den Ausbau der personellen Kapazitäten bei Sicherheitsdiensten und eines erweiterten Wachschutzes neuralgischer Punkte.
Die Zäune wiederum fallen unter die physischen Schutzmaßnahmen, zu denen auch erweiterte Beleuchtungs- und Zugangskonzepte gehören.
Zwei Anschläge mit weitreichenden Auswirkungen
Am 9. September 2025 hatte ein nächtliches Feuer Starkstromkabel im Südosten Berlins weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie die Rede. Betroffen waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe.
Im Januar gab es dann erneut einen Anschlag auf das Berliner Stromnetz mit deutlich größeren Folgen. Betroffen war eine Kabelbrücke am Teltowkanal in Lichterfelde im Südwesten. Zehntausende Haushalte waren bei winterlichen Temperaturen über Tage ohne Strom. Der Anschlag hatte laut Netzbetreiber den längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegszeit zur Folge.
