
Berlin (dpa/bb) – Eishockey-Nationalspielerin Laura Kluge sieht großen Nachholbedarf beim Frauen-Eishockey in Deutschland. «Frauen-Eishockey ist in Deutschland leider eher noch ein Hobby, bei dem man teilweise noch draufzahlen muss», sagte die frühere Spielerin der Eisbären Berlin dem rbb. Viele ihrer Nationalmannschaftskolleginnen arbeiteten 40 Stunden pro Woche und gingen anschließend noch zum Training.
Die 29-Jährige, die inzwischen für Boston Fleet in der nordamerikanischen Profiliga PWHL spielt, erlebt in den USA eine völlig andere Eishockeywelt. «Ich habe das große Glück, für mein Hobby bezahlt zu werden», sagte Kluge. Neben mehreren Trainern stünden den Spielerinnen unter anderem eigene Ausrüstungsbetreuer und ein Social-Media-Team zur Verfügung.
Hinzu komme ein Zuschauerschnitt zwischen 6.000 und 7.000 Fans. «Das alles ist auf einem Niveau, das man mit dem Frauen-Eishockey in Deutschland einfach gar nicht vergleichen kann», berichtete Kluge.
«Sichtbarkeit kann extrem helfen»
Als entscheidenden Faktor für die weitere Entwicklung in Deutschland sieht Kluge eine größere öffentliche Aufmerksamkeit. «Sichtbarkeit kann extrem helfen», sagte die Nationalspielerin. Fernsehübertragungen machten den Sport für Sponsoren attraktiver und könnten Mädchen für das Eishockey begeistern.
Von der am Freitag in Dänemark beginnenden WM erhofft sich Kluge daher einen Schub. Der erstmals im Herbst angesetzte Wettbewerb könne von der größeren Aufmerksamkeit profitieren, «weil im November normalerweise kein anderes Eishockey-Highlight ansteht».