Enttäuscht nach der herben 0:4-Niederlage: Union Berlin.
Enttäuscht nach der herben 0:4-Niederlage: Union Berlin. Foto: Marius Becker/dpa

Leverkusen (dpa) – Bayer Leverkusen hat Union Berlin die Grenzen aufgezeigt. Beim 0:4 (0:2) waren die Eisernen von Beginn an unterlegen, kassierten bereits nach 44 Sekunden das erste Gegentor und waren offensiv nahezu chancenlos. «Es tut weh. Das war heute eine gewisse Lehrstunde, die uns Leverkusen erteilt hat, aus der wir sicherlich aber eine Menge lernen werden», sagte Unions Kapitän Rani Khedira direkt nach dem Spiel bei Sky. 

Nur einen Schuss gaben die Berliner ab, kein einziger Versuch ging direkt aufs Tor der Gastgeber. Der xGoals-Wert von 0,15 unterstrich die Harmlosigkeit der Unioner. Auch defensiv offenbarte das Team große Probleme, wie Union-Verteidiger Felix Uduokhai schonungslos auf den Punkt brachte: «Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Dann bist du immer einen Schritt zu spät und jeder sieht scheiße aus», sagte der 28-Jährige nach seinem Startelf-Debüt.


Lustrinelli: «Stolperer auf unserer Reise»

Auch für Trainer Mauro Lustrinelli gab es wenig zu beschönigen. «Ich glaube, es gibt nicht viel zu sagen. Leverkusen hat ganz klar verdient gewonnen, auch in der Höhe. Wir haben zu viele Räume gelassen und nicht die richtige Energie und Intensität gefunden», sagte der 50-Jährige. Hadern wollte er aber nicht allzu sehr: «Das ist ein Stolperer auf unserer Reise, der dazugehört. Jetzt wollen wir so schnell wie möglich wieder auf unseren Weg zurück.»

Besonders bitter für Union: Die Berliner gerieten bereits nach 44 Sekunden in Rückstand und fanden auch danach kaum ins Spiel. Der Versuch, nach dem 0:2 zur Pause noch einmal zurückzukommen, war schnell beendet. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Bayer auf 3:0. «Da musst du viel dreckiger spielen, musst du ein bisschen cleverer spielen. Das haben wir heute als Kollektiv einfach nicht geschafft», sagte Uduokhai.

Torhüter-Rückkehrer und Fans sorgen für positive Momente

Einziger Lichtblick war Torhüter Fredrik Rönnow, der nach seiner Verletzungspause mit mehreren starken Paraden eine noch höhere Niederlage verhinderte. Sein Trainer wollte ihn dennoch nicht hervorheben: «Über die individuelle Leistung will ich nicht sprechen. Zuerst muss ich nach so einer Leistung über meine eigene Leistung nachdenken. Heute waren wir nicht gut als Team, und der Erste, der in der Verantwortung ist, bin natürlich ich.»

Lob hatte Lustrinelli dagegen für die mitgereisten Fans, die trotz der enttäuschenden Vorstellung auch lange nach Abpfiff noch für Stimmung im Block sorgten. «Das ist unglaublich schön. Die Fankultur ist sehr eng. Ich freue mich wahnsinnig, Teil von diesem eisernen Volk zu sein», sagte der Union-Trainer und gab ein Versprechen: «Ich werde alles machen, damit wir in Zukunft helfen können, eine gute Nacht zusammen zu erleben.»

Schnelle Reaktion gegen Schalke gefragt

Viel Zeit zum Hadern bleibt ohnehin nicht. Bereits am Freitagabend (20.30 Uhr) wartet zu Hause mit Aufsteiger FC Schalke 04 die nächste Aufgabe. Die Gelsenkirchener kommen mit dem Rückenwind eines 0:0 gegen Rekordmeister Bayern München in die Hauptstadt. Für die Berliner gilt es nun, die deutliche Niederlage schnell abzuhaken. «Mund abwischen, wie man so schön sagt. Dann haben wir nächste Woche wieder eine neue Chance», sagte Uduokhai. 

Kapitän Khedira forderte für das Duell mit den Knappen, «geschlossen als Mannschaft anzugreifen, zu verteidigen und kompakt zu sein» sowie «unsere Tugenden auf den Platz zu bekommen». Trotz aller Beteuerungen, die Pleite schnell abhaken und wieder in die Spur finden zu wollten, sollte klar sein: Einen so schwachen Auftritt wie in Leverkusen kann sich Union nicht erlauben, wenn die Berliner nicht schon früh in der Saison unter Druck geraten wollen.