
Berlin (dpa) – Die Gewerkschaft IG Metall hat in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg ein erstes Angebot der Arbeitgeber abgelehnt und bereitet Warnstreiks für die kommenden Tage vor. «Was die Arbeitgeber heute vorgelegt haben, läuft auf ein krasses Reallohn-Minus für die Beschäftigten hinaus», teilte IG-Metall-Bezirksleiter Jan Otto nach der zweiten Verhandlungsrunde in Berlin mit. «Das ist nicht verhandelbar. Wir bereiten jetzt intensiv Warnstreiks in Berlin und Brandenburg vom 1. November an vor.»
Welche Betriebe in welchem Umfang und wann genau bestreikt werden sollen, ließ die Gewerkschaft offen. Bis Ende Oktober besteht eine sogenannte Friedenspflicht. Ab November sind Arbeitskämpfe möglich.
Bundesweit das gleiche Angebot
Der Arbeitgeberverband hatte bei der zweiten Runde in den beiden Bundesländern das gleiche Angebot vorgelegt wie zuvor schon in den Verhandlungen in anderen Tarifbezirken. Es umfasst unter anderem eine Tariferhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 sowie eine Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts noch in diesem Jahr. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 laufen.
Die Einmalzahlung soll laut Arbeitgeberseite automatisch ausgesetzt werden können, wenn Unternehmen kaum noch Geld verdienen. Dieser Mechanismus wird «automatische Differenzierung genannt» und ist bislang nur auf einen kleinen Teil der Entgelte anwendbar. Sie soll nach dem Willen der Arbeitgeber ausgeweitet werden.
Arbeitgeber: Streikmaßnahmen wären das falsche Signal
«Mit dem Angebot signalisieren wir, dass wir einen konstruktiven und tragbaren Abschluss erzielen wollen», teilte der Verhandlungsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME), Henning Brandes, mit. «Intensive Streikmaßnahmen wären in der aktuellen Lage das absolut falsche Signal.»
Die IG Metall fordert für die rund 96.000 Beschäftigten in Berlin und Brandenburg 5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will sie in den Verhandlungen über die Absicherung der Arbeitsplätze und Standorte, über eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen sprechen.