Altkanzlerin Merkel wirbt fürs Brückenbauen: «Muss Anspruch von Volksparteien sein.»
Altkanzlerin Merkel wirbt fürs Brückenbauen: «Muss Anspruch von Volksparteien sein.» Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin (dpa) – Die frühere Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hat nach den schweren Einbußen ihrer Partei bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern den verbindenden Charakter von Volksparteien herausgestellt. Merkel wählte dafür bei der Eröffnung einer Kunstausstellung im Bundestag einen Vergleich zum ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und sagte: «Für ihn war klar, man muss Brücken bauen. Und gleichzeitig ergab sich daraus automatisch, mit wem man keine Brücken bauen konnte.»

In Anspielung auf die Wahlen, bei denen die CDU im Nordosten den Einzug in den Landtag verfehlte, sagte Merkel: «An einem Tag wie heute und nach einem Abend wie gestern lohnt es sich vielleicht, auch noch mal nachzudenken, was können wir von Konrad Adenauer übernehmen?» Er habe aus den Fehlern der Geschichte gelernt, dass es wichtig sei, «Menschen einzuladen, alle Menschen anzusprechen, dass es wichtig ist, sich der eigenen Werte bewusst zu sein».


CDU mit drei gleichberechtigten Wurzeln

Für Adenauer sei klar gewesen, «dass so eine Partei wie die CDU sich aus drei gleichberechtigten Wurzeln speist – konservativ, liberal, christlich-sozial», sagte Merkel. Für ihn hätten es Brücken sein müssen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Männern und Frauen, Umwelt und Wirtschaft, Stadt und Land, zwischen den Konfessionen und den Generationen. «Ich würde heute hinzufügen, zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte.»

«Ich denke, das muss der Anspruch einer Volkspartei sein, das hat er uns mitgegeben», sagte die Ex-Kanzlerin, die ihren Bundestagswahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern hatte. «Und um dieses Brückenbauen, was sicherlich heute nicht einfacher geworden ist, muss es auch weiter gehen.»

Die Ausstellung im Bundestag blickt auf zwei Werke aus der Kunstsammlung des Parlaments. Darunter ist ein Porträt Adenauers von Oskar Kokoschka, das Merkel in ihrer Regierungszeit und auch jetzt nach dem Ausscheiden aus dem Amt in ihrem Büro aufhängen ließ. Daneben geht es um ein Porträt des früheren Kanzlers Willy Brandt (SPD) von Andy Warhol.