Berlin (dpa) – Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu einem stärkeren Eintreten zum Schutz der Demokratie in Deutschland aufgerufen. «Unser Land ist geeint, aber doch aufgeregt und zerrissen», sagte sie in Berlin bei einer Veranstaltung zum 50. Jahrestag der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR. «Wir ahnen, dass die Demokratie verletzlicher ist, als wir dachten, dass sie mehr braucht als nur freie Wahlen. Sie braucht uns, die Bürger, die in einer Demokratie leben wollen.»
Merkel sprach von einem Auftrag, sich aktiv zu diesem freiheitlichen Staat zu bekennen – zur unteilbaren Würde jedes Menschen, zur Gewaltenteilung, der Unabhängigkeit von Justiz und Presse, zur Meinungsfreiheit und zum Schutz von Minderheiten. «Wir als Bürger müssen wieder laut und entschieden für diesen Staat eintreten.» Die Ex-Kanzlerin sagte: «Es ist ein Kampf für etwas, für das man glücklicherweise nicht verfolgt wird. Aber damit man nicht eines Tages verfolgt wird, muss man sich heute für die Werte unseres Staates engagieren.»
Biermanns Lieder «Ermutigungen zum Handeln»
Merkel sagte bei dem Festivalabend der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit Blick auf Biermann, der mit seinen Liedern Mut gemacht habe, es brauche auch heute Ermutigung unter ganz anderen Umständen. «Wolf Biermann ist uns auch deshalb so nah, weil seine Lieder solche Ermutigungen zum Handeln sind.»
Biermann, der als 16-Jähriger von Hamburg in die DDR übergesiedelt war, geriet mit kritischen Liedern und Gedichten schnell in Konflikt mit der regierenden Einheitspartei SED und bekam ein jahrelanges Auftrittsverbot. Nach einem Konzert in der Bundesrepublik in Köln am 13. November 1976 durfte er nicht in die DDR zurückkehren, seine Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt. Dies löste Protest- und Solidaritätsaktionen in der Kulturszene der DDR aus.
