
Berlin (dpa/bb) – Gegen Ratten sind in Berlin vergangenes Jahr 8.734 Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt worden. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren leicht erhöht, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
2024 hatte es demnach 8.666 Maßnahmen gegeben, 2023 waren es noch 7.987 gewesen. Im vergangenen Jahrzehnt gab es dabei den Angaben nach schon Jahre mit deutlich mehr Bekämpfungsmaßnahmen: Im Jahr 2018 zum Beispiel hatte es 11.450 gegeben, im Jahr 2019 rund 10.495.
Wie es in den einzelnen Bezirken aussieht
Die Lage in den Bezirken ist sehr unterschiedlich. Das Landesamt betont aber: Aus der Zahl der Bekämpfungsmaßnahmen lasse sich nicht ableiten, wie viele Ratten es tatsächlich gibt oder wie stark ein Bezirk betroffen ist. Ein Überblick über die vergangenen drei Jahre:
| Bezirk | 2023 | 2024 | 2025 |
| Mitte | 1.290 | 1.531 | 1.703 |
| Friedrichshain-Kreuzberg | 1.121 | 1.233 | 1.433 |
| Marzahn-Hellersdorf | 1.407 | 1.465 | 1.217 |
| Pankow | 464 | 536 | 780 |
| Neukölln | 835 | 931 | 777 |
| Lichtenberg | 753 | 602 | 628 |
| Tempelhof-Schöneberg | 509 | 457 | 463 |
| Treptow-Köpenick | 653 | 464 | 407 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 361 | 460 | 405 |
| Reinickendorf | 207 | 307 | 384 |
| Steglitz-Zehlendorf | 230 | 464 | 365 |
| Spandau | 157 | 216 | 172 |
Was Ratten anlockt
Ratten sind Allesfresser. Sie werden von offenen Mülltonnen oder achtlos weggeworfenen Lebensmittelresten angelockt. Wer in Berlin durch die Straßen läuft, weiß: Davon gibt es jede Menge. Ratten im Kanalsystem ernähren sich von Speiseresten, die über die Toilette entsorgt werden, wie ein Lageso-Sprecher erklärt. «Dies sollte daher unbedingt vermieden werden.» Ratten können schwimmen und sich deshalb ohne Probleme in der Kanalisation fortbewegen.
Ein Problem sei auch, dass Tiere wie Eichhörnchen oder Vögel in Grünanlagen oder auf öffentlichen Plätzen gefüttert würden. Dadurch blieben häufig Essensreste zurück, die Ratten anlockten.
In Städten werde die Vermehrung von Ratten außerdem durch eine hohe Bevölkerungsdichte und die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen begünstigt. Höhe Temperaturen sorgten für längere Aktivitätsperioden im Jahr, insbesondere im Frühling und Herbst, so der Sprecher. Das ermögliche es den Ratten, sich über einen längeren Zeitraum fortzupflanzen.
Wie Ratten bekämpft werden können
Wichtig ist vor allem, Müll und Essensreste richtig zu entsorgen. Eine weitere Maßnahme ist laut dem Landesamt die Einschränkung von Nistmöglichkeiten. «Insbesondere sollten Höfe, Keller und Lagerräume übersichtlich gestaltet sein und gegebenenfalls regelmäßig einer Entrümpelung unterzogen werden.» Ratten bauen ihr Nest meistens unter der Erde. Die Tiere nisten aber auch zwischen Sperrmüll, in Doppelwänden oder unter Fußbodendielen.
Ratten vermehren sich sehr schnell. Im Alter von sechs bis acht Wochen sind sie geschlechtsreif, die Tragezeit beträgt nur wenige Wochen, wie das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg informiert. Ein Wurf umfasse acht bis zwölf Junge. «Ein Rattenpaar kann also 100 bis 150 Nachkommen in einem Jahr erzeugen.»
Damit Ratten nicht ins Haus gelangen, sollten defekte Kellerfenster repariert und offene Stellen in Bodennähe mit engmaschigen Gittern verschlossen werden.
Welche Gefahren von Ratten ausgehen
Nach Angaben des Lageso können Ratte verschiedene Krankheitserreger übertragen, vor allem auf Lebensmittel. Beispiele hierfür seien Salmonellen (Durchfallerkrankungen), Leptospiren (Weilsche Krankheit) und Toxoplasmen (Toxoplasmose). Auch an der Ausbreitung von Tierseuchen wie der Schweinepest oder der Maul- und Klauenseuche seien Ratten häufig als Überträger der Krankheitserreger beteiligt. «In den uns vorliegenden Daten gibt es jedoch keine Hinweise auf Erkrankungsfälle, die in Zusammenhang mit Ratten stehen», sagte der Lageso-Sprecher.
Was bei einem Befall zu tun ist
Ein Rattenbefall muss an das Gesundheitsamt des Bezirks gemeldet werden. Das Gesundheitsamt berät, ordnet Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung der Ratten an und kontrolliert die Bekämpfungsmaßnahmen.