Die Bundesregierung will den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen. (Symbolbild)
Die Bundesregierung will den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Berlin/Potsdam (dpa/bb) – Beim Umgang mit dem Wolf und der Frage der Abschüsse scheint kein rasches Ende des Streits in Sicht. Ländervertreter unterstützen zwar die Pläne der Bundesregierung, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Sie äußerten im Bundesrat in Berlin aber auch Kritik an konkreten Vorschlägen. 

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte: «Es ist richtig, dass der Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen wird. Was nun kommen muss, ist ein Bestandsmanagement, um die Populationsentwicklung zu kontrollieren.» Nur so lasse sich die Akzeptanz in der Bevölkerung sichern. «Wir brauchen rechtssichere und praktikable Möglichkeiten im Umgang mit dem Wolf.» 


Mit Bestandsmanagement ist in der Regel der Umgang mit dem Wolf bis hin zum Abschuss gemeint. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Zahl der Wölfe in bestimmten Regionen, in denen der «Erhaltungszustand» der Tiere günstig ist, reduziert werden können. Vorgesehen ist eine Jagdzeit vom 1. Juli bis 31. Oktober.

Brandenburg will neue Wolfs-Pläne in einigen Monaten vorstellen

Das Wolfsmanagement in Brandenburg werde derzeit erarbeitet und soll im dritten Quartal dieses Jahres öffentlich vorgestellt werden, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Potsdam. Eine Abschussquote soll es nach dem Willen von Agrarministerin Hanka Mittelstädt (SPD) aber nicht geben. 

Landesjagdverband kritisiert vorgesehene Jagdzeit

Der Landesjagdverband hält dies langfristig aber für nötig. Es gehe darum, sogenannte Problemwölfe nach Nutztier-Rissen zu erlegen sowie auch um die Bejagung im Bestand, sagte Geschäftsführer Kai Hamann der dpa. 

Die Jagdzeit von Juli bis Ende Oktober, die der Bund vorsieht, hält der Verband für wenig sinnvoll und in der Praxis nicht umsetzbar. Welpen hielten sich da am Mutterbau auf und verursachten keine Schäden, zudem sei die Vegetation zu hoch, sagte Hamann. Der Verband hält eine Jagdzeit für den Wolf von Ende Oktober bis etwa Mitte Januar für angemessen. 

Kritik von Naturschützern

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Brandenburg kritisierte: «Der Abschuss von Wölfen wird kein einziges Problem lösen und führt zu Konflikten mit dem bestehenden Artenschutzrecht.» Der Verband klagt zudem auf Akteneinsicht beim Land. Er wolle die Datengrundlagen für die Einstufung eines günstigen Erhaltungszustandes des Wolfes in Brandenburg bekommen, teilte der BUND mit. 

Die EU-Staaten hatten den Schutzstatus des Wolfes im Sommer 2025 von «streng geschützt» auf «geschützt» gesenkt und damit die Voraussetzung für Änderungen im Jagdrecht geschaffen. In einem Bericht an die EU hatte die Bundesregierung den «Erhaltungszustand» des Wolfes zuletzt als «günstig» eingestuft.

Die Zahl der Wölfe in Europa hat sich binnen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im Jahr 2023 sollen es 20.300 Tiere gewesen sein. Allein in Deutschland wurden zuletzt nach Behördenangaben mehr als 1.600 Wölfe gezählt – vor allem im Bereich von Niedersachsen über Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis nach Sachsen. Während Tierschützer diese Entwicklung begrüßen, sorgen sich Weidetierhalter um die Sicherheit ihrer Schafe.