
Kiel (dpa) – Gut eine Woche vor der Entscheidung über den deutschen Olympia-Bewerber machen sich sechs Segelverbände für Kiel als Austragungsort der Segelwettbewerbe stark. Neben den Verbänden aus Bayern und Nordrhein-Westfalen unterstützen auch die Verbände aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen Kiels Bewerbung. Diese repräsentierten 75 Prozent der deutschen Seglerinnen und Segler, sagte Schleswig-Holsteins Sportministerin Magdalena Finke (CDU).
«Kiel ist der richtige Standort. Kiel kann Segelsport», sagte der Präsident des Bayerischen Seglerverbands, Bernd Hassenjürgen. München und Kiel hätten 1972 gemeinsam gezeigt, was olympische Infrastruktur bedeutet. «Es gibt nur wenige Olympia-Standorte, wo so viel nach 50 Jahren immer noch genutzt wird.»
Ähnlich äußerte sich Christoph Zander, der Vorsitzende des Seglerverbands Nordrhein-Westfalen. «Als Seglerverband haben wir eine klare sportfachliche Position: Wenn die Spiele nach Nordrhein-Westfalen kommen, gehören die Olympischen und Paralympischen Segelwettbewerbe nach Kiel.» Kiel biete ein anspruchsvolles und variables Segelrevier, kurze Wege zu den Regattabahnen, olympisch erprobte Infrastruktur und jahrzehntelange internationale Regattaerfahrung.
Größte Verbände für Kiel
Die beiden größten Regionalverbände unter dem Dach des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) ziehen Kiel dem Konkurrenten Rostock-Warnemünde vor. München und die Region Rhein-Ruhr – die neben Berlin um den deutschen Zuschlag für eine Olympia-Bewerbung ringen – haben sich bislang offen gelassen, auf welche der zwei Ostseestädte sie setzen.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte, es gehe bei der Entscheidung um die Frage, «was hat wirklich internationale Strahlkraft». «Kiel muss man niemandem lange erklären, sondern Kiel kennt man nicht nur in Deutschland, nicht nur in Europa, sondern wirklich weltweit als den Standort.»
Oberbürgermeister Yilmaz: «Kiel kann Olympia»
Auch Landtagspräsidentin Kristina Herbst (CDU) und Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz (Grüne) freuten sich über die Unterstützung. «So ein Segler, der braucht ja manchmal noch mehr Rückenwind», sagte Herbst. Yilmaz verwies auf die 63,9 Prozent der Kielerinnen und Kieler, die sich für die Bewerbung ausgesprochen haben: «Kiel will nicht nur Olympia, Kiel kann Olympia.»
Am 26. September will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) über den nationalen Kandidaten für eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 entscheiden. Bislang hatte sich nur Berlin aufgrund der geografischen Nähe für Rostock-Warnemünde als Segelpartner entschieden.
Im erprobten Revier der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel wurden 1936 und 1972 bereits olympische Segelregatten ausgetragen. Die Regatten zur Kieler Woche jeweils Ende Juni gelten im olympischen Segelsport als bedeutende Wettbewerbe. Auch ein Bundesstützpunkt des Deutschen Segler-Verbandes ist in Kiel.
