München/Berlin (dpa) – Spaniens Weltmeister Lamine Yamal die Schuld zu geben an der desaströsen Lage von Union Berlin, ist natürlich eine irreführende Ausrede. Natürlich war der Social-Media-Post der für zuweilen zu komischem Humor neigenden Internetabteilung der Eisernen als Scherz zu verstehen. Nach dem siebten und letzten Bayern-Tor wurde die Vermutung geäußert, Barcelonas Super-Jungstar habe die Münchner Stürmer Harry Kane und Michael Oliseh im öffentlichen Buhlen um den Ballon d’Or zur Höchstleistung angestachelt.
«Hätte dieser 19-jährige Lausbub aus Barcelona nicht einfach seinen Mund halten können? Kane und Olise sind heute richtig on fire und beweisen, dass sie Ballon-d‘-Or-Material sind», stand da geschrieben. Der Klamauk konnte bestenfalls kurz davon ablenken, dass die Köpenicker Ballspieler schon selbst die Weltstars des deutschen Rekordmeisters das Fußballer-Leben hübsch leicht gemacht hatten.
Lustrinelli froh über die Auszeit
Krass verloren haben schon andere Mannschaften in München. Das wäre eine andere Erklärung. Viele von diesen stiegen aber auch am Saisonende ab. Das 0:7 war jedenfalls die höchste Bundesliga-Niederlage in der Club-Historie. Und der immer noch neue Trainer Mauro Lustrinelli war höchst erleichtert, dass jetzt die dreiwöchige Länderspielpause als Chance zum Reset folgt.
«Es ist sehr wichtig, jetzt den Kopf freizulassen, dass die Spieler einige Tage für sich haben und wieder die Energie und Batterie laden. Dann kommen wir zurück und es geht weiter im Leben», sagte der Schweizer. Recht hat er, es ist niemand gestorben, außer vielleicht die Hoffnung bei den Union-Fans, dass es bei der Änderung des über Jahre erprobten Spielstils von Destruktivismus zu Kreativität recht schnell voran gehen könnte.
Defensiv so schlecht wie nie in Bundesliga-Zeit
17 Gegentore in vier Spielen sind eine Bankrotterklärung für das Eiserne Selbstverständnis. In sieben Bundesliga-Jahren wurde diese Marke nie vor dem achten Spieltag gerissen – jetzt steht sie nach vier Spieltagen als Menetekel eines Teams ohne Selbstsicherheit. Wird es nach der Auszeit im ersten Spiel gegen die SV Elversberg am 10. Oktober nicht besser, ist Lustrinelli vielleicht schon in finaler Erklärungsnot.
In der Münchner Allianz Arena waren Union – anders als in vergangenen Jahren – kein unangenehmer Kontrahent, sondern harmloser Sparringspartner. Unter Lustrinelli, dem Schweizer Meistertrainer des FC Thun, wollen die Berliner einen neuen Weg gehen, doch der Erfolg lässt auf sich warten.
«Ich habe schon vor ein paar Tagen gesagt, ich habe diese Metapher, dass das kleine Kind Fahrradfahren lernt», beschrieb der Coach den von ihm eingeleiteten Entwicklungsprozess in Berlin. «Im Moment ist es immer am Boden. Es muss einfach aufstehen und wieder nach vorne. Das ist das Einzige, was wir im Leben haben. Große Resilienz, Arbeit, das ist die tägliche Arbeit – und das mit Vertrauen.»
Der Münchner Offensivwucht mit Sturmtank Kane, der im 98. Bundesliga-Einsatz die Marke von 100 Toren knackte, und dem herausragenden Dreifach-Torschützen Olise hatten die Berliner nichts entgegenzusetzen.
Christopher Trimmel mahnt: Punkte sammeln
«Es ist schwierig, aber trotzdem musst du positiv bleiben», sagte Kapitän Christopher Trimmel. «Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in der Saison von Beginn weg richtig zur Sache geht. Jeder sammelt sofort Punkte, und wir müssen auch damit beginnen», mahnte der Routinier. Lamine Yamal hat als Ausrede jedenfalls schnell wieder ausgedient.

