Berlin (dpa) – Scharfer Spott und viel Häme, vereinzelt aber auch Verständnis: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ist großes Thema in den Online-Medien, weil er wenige Stunden nach Beginn des großen Stromausfalls ein Tennismatch gespielt hat – während rund 100.000 Menschen ohne Heizung im Dunklen saßen. «Liebe Berliner, wenn Ihnen kalt ist, spielen Sie einfach Tennis», riet der bayerische AfD-Landeschef Stephan Protschka auf X. Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang stellte fest: «Immerhin Kai Wegner hatte am Samstag Netz.»
Viele bemühten den naheliegenden Scherz vom «großen Tennis», das einem die Berliner Landespolitik nun biete. Eine Nutzerin mahnte aber zu weniger Aufgeregtheit: «Haltet mal den Ball flach. Ganz Berlin ist doch schon wieder am Netz», schrieb sie auf X.
Auch mit Künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder machten die Runde. Eines zeigt Wegner, wie er sich in einer Halle besorgt über eine Seniorin im Krankenbett beugt – in Tennisklamotten und mit Schläger in der Hand.
Der Satiriker und EU-Parlamentarier Martin Sonneborn machte sich lustig über Wegners Erklärung, er habe den Kopf freibekommen wollen beim Tennis: «Aber Ihr Kopf ist doch schon äh… recht frei…», schrieb Sonneborn auf X – offensichtlich bezogen auf Wegners Halbglatze.
«Heute mal was ganz Verrücktes gemacht. Sport.»
Heraus gekramt wurde auch ein fast elf Jahre alter Twitter-Beitrag Wegners, in dem er schrieb: «Heute mal was ganz Verrücktes gemacht. Sport. Habe Tennis gespielt…und jetzt tut mir alles weh. Das soll nun gesund sein?» Dazu schrieb ein User: «Schlecht gealtert, Wegner. Treten Sie zurück, sofort!»
Wegner hatte am Mittwoch eingeräumt, an dem betreffenden Tag von 13.00 bis 14.00 Tennis gespielt zu haben. Er habe den «Kopf freikriegen» wollen. Inzwischen ist bekannt, dass er die Partie zusammen mit einem anderen Senatsmitglied spielte – seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Am Sonntag hatte Wegner auf eine Journalistenfrage noch gesagt, er sei den ganzen Samstag am Telefon gewesen und habe versucht zu koordinieren. Inzwischen sieht er die Aussage selbstkritisch.

