Brekalo (M) ging als Kapitän voran.
Brekalo (M) ging als Kapitän voran. Foto: Friso Gentsch/dpa

Berlin (dpa) – «Der BSC ist wieder da» sangen die Hertha-Fans im Gästeblock inbrünstig, während die abgekämpften aber strahlenden Berliner Profis nach dem fünften Sieg im fünften Ligaspiel miteinander abklatschten. Der Hauptstadtclub überrascht als Tabellenführer weiter und bestand auch den komplizierten Test in Osnabrück mit Bravour. 

«Es war ein hartes Stück Arbeit heute», sagte Trainer Stefan Leitl bei Sky nach dem 3:1 (0:0) beim Aufsteiger an der Bremer Brücke, mit dem sein Team den Startrekord des Clubs ausbaute. Seine Mannschaft habe zunächst nicht gut ins Spiel gefunden. «Wie wir dann aus der Halbzeit kommen und eine Reaktion zeigen, ist fantastisch.»


Rückschläge perlen ab

Dabei gab es viele Zutaten für einen ersten Rückschlag: Ein Aufsteiger im Aufwind nach zwei Siegen, eine hitzige Atmosphäre an der Bremer Brücke, ein tiefer Platz bei Regen und dann auch noch ein Handelfmeter gegen sich. Doch alles, was in den letzten Jahren eine Hertha-Pleite befördert hätte, perlt aktuell an den Berlinern ab. Und das nach so vielen Abgängen von großen Namen im Sommer.

«Momentum haben wir momentan auf unserer Seite», sagte der Trainer. «Ich glaube trotzdem, dass wir noch besser Fußball spielen können, noch mehr Dominanz reinbekommen können. Aber insgesamt ist es eine tolle Entwicklung.»

Kapitän Josip Brekalo (50.) brachte seine Mannschaft mit seinem vierten Saisontor durch einen Schuss aus 25 Metern in Führung. Torwart Marius Gersbeck parierte dann den Strafstoß (60.) von Robin Meißner. Kevin Sessa erhöhte zehn Minuten später für die Hertha. Dem lange gleichwertigen Aufsteiger aus Niedersachsen gelang nur noch der Anschlusstreffer durch Jonathan Gomez (82.). Farid Alfa-Rupprecht (90.+2) beseitigte mit seinem Tor alle Zweifel am Berliner Sieg. 

Gersbeck überragend, bis auf einen Patzer

Das Spiel der Hertha zeigte gut, wo die Berliner schon weit sind – und wo trotz des starken Starts vielleicht noch etwas zum Status Spitzenmannschaft fehlt. Leidenschaftlich ging die Mannschaft in die Zweikämpfe, stand in der Defensive überwiegend kompakt, nahm das intensive Spiel auf tiefem Boden an. Doch einige Wackler wie Brekalos Katastrophenfehlpass in der 17. Minute hätte der Aufsteiger durchaus dankend annehmen können.

Offensiv beherrschten die Berliner den Ball. Den Weg durch die gut abgestimmten Riegel des VfL fanden sie aber zunächst nur selten. Doch als sich Adewumi aus dem Zentrum auf den rechten Flügel fallen ließ, sorgte der 21-Jährige mit seinen Dribblings immer wieder für Gefahr. Auch ansonsten lief der Ball besser. Nach einer schönen Kombination könnte nur eine perfekt getimte Grätsche das 1:0 durch Jon Dagur Thorsteinsson (28. Minute) verhindern.

Im strömenden Regen nach dem Wiederanpfiff war es dann ein Moment individueller Klasse von Kapitän Brekalo, der Hertha in Front brachte. Nach einer verpatzten Faustabwehr von Jonas Krumrey schoss der Kroate aus der Distanz ein. Schon die sechste Torbeteiligung für den früheren Bundesliga-Profi.

Dürfen das Glück nicht aufbrauchen

Das unglückliche Handspiel von Pascal Klemens machte Torwart Gersbeck mit seiner Elfer-Parade zu einer Radnotiz. Der 31-Jährige vereitelte noch weitere Chancen der Osnabrücker überragend und patzte dann doch selbst, als er sich beim Gegentor komplett verschätzte. 

«Ich dachte, es ist eine Flanke, die einfach daneben geht. Keine Ahnung, da hat mich irgendwas geritten und ich habe die Hände weggelassen. Fatal, aber Gott sei Dank ist dann nichts weiter passiert», erklärte der Keeper bei Sky. Denn wieder ließen sich die Berliner kaum aus der Ruhe bringen. Nach dem 3:1 von Alfa-Ruprecht hätten sie sogar noch erhöhen können.

«Es kommt momentan sehr viel zusammen, dass es für uns gerade gut läuft. Wir dürfen das Glück nicht aufbrauchen, sondern müssen es uns weiter erkämpfen», betonte Gersbeck.