Weil er den Freund seiner Ehefrau lebensgefährlich verletzt haben soll, steht ein 70-Jähriger vor Gericht. (Symbolfoto)
Weil er den Freund seiner Ehefrau lebensgefährlich verletzt haben soll, steht ein 70-Jähriger vor Gericht. (Symbolfoto) Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin (dpa/bb) – Ein 70-Jähriger soll aus Eifersucht auf den neuen Freund seiner Ehefrau eingestochen haben. Rund fünf Monate nach dem beinahe tödlichen Angriff steht der mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Berlin. Der 70-Jährige erklärte zu Prozessbeginn, er bedauere zutiefst. An das Geschehen habe er allerdings wenig Erinnerung. Wie es zum Einsatz des Messers kam, könne er nicht sagen.

Der Ukrainer und seine Frau lebten damals in einer Gemeinschaftsunterkunft im Berliner Ortsteil Lichterfelde. Am 16. Mai sei es in der Küche zunächst zu einem Streit zwischen den Eheleuten und dem 61-jährigen Freund der Frau gekommen, heißt es in der Anklage. Der 70-Jährige sei nicht bereit gewesen zu akzeptieren, dass sich seine Frau von ihm getrennt und einem anderen Mann zugewandt hatte. Er habe aus «massiver Eifersucht und übersteigertem Besitzdenken» den Entschluss gefasst, den Rivalen zu attackieren.


Kraftvoll in den Bauch gestochen

Mit einem Messer soll der 70-Jährige «kraftvoll» in den Bauchbereich gestochen haben. Den Tod des 61-Jährigen habe er «jedenfalls billigend in Kauf genommen», so die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte sei durch seine Ehefrau und Gegenwehr des Opfers an weiteren Stichen gehindert worden.

Der 61-Jährige wurde laut Anklage lebensgefährlich verletzt. Eine Notoperation sei erforderlich gewesen. Der Angeklagte wurde noch am Tatort festgenommen. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Der 70-Jährige erklärte weiter, er habe in der Ostukraine gelebt und sei im Sommer 2023 vor dem russischen Angriffskrieg geflohen. Seine Ehefrau habe in Berlin den Alltag für die Familie organisiert. Er sei ein sehr zurückhaltender Mensch, seine Frau sei sein Halt gewesen – «ich hatte Angst, alles zu verlieren». Aus Überforderung mit der Situation habe er in den Tagen vor der Tat viel Alkohol getrunken.

Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage bis zum 1. Dezember terminiert.