
Berlin (dpa/bb) – Trotz einer leichten Erholung blickt die Berliner Wirtschaft zunehmend pessimistisch in die Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK).
«Die Erwartungen für das kommende Winterhalbjahr sind düster», sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. Die Unsicherheit darüber, welchen wirtschaftspolitischen Kurs die künftige Berliner Koalition einschlagen werde, laste schwer auf den Geschäftserwartungen des Handwerks.
Mehr Unternehmen planen mit Stellenabbau
Die unsichere wirtschaftliche Situation schlägt sich auch in der Personalplanung der Unternehmen nieder. Der entsprechende Index sank auf minus acht Punkte nach minus vier im Frühjahr. Mehr Unternehmen planten mit Stellenabbau statt mit Neueinstellungen. «Damit stehen die Zeichen in Berlin auf Beschäftigungsabbau», sagte Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin.
Debatte zur Vergesellschaftung «pures Gift»
Die Debatte zur Vergesellschaftung von Wohnraum bezeichnete Hauptgeschäftsführer Wittke als «pures Gift» für den Wirtschaftsstandort Berlin. «Wir merken, dass es jetzt schon erheblichen Schaden angerichtet hat.» Die Debatte habe dazu beigetragen, dass das Bau- und Ausbauhandwerk seine Funktion als Konjunkturlokomotive eingebüßt habe.
Insgesamt hellte sich die Berliner Konjunktur im Herbst leicht auf. Der Index zum Konjunkturklima stieg im Vergleich zum Frühjahr um einen Punkt auf 101 Zähler. Der Index zu den Erwartungen sank von minus drei Punkten auf minus neun. Eine Trendwende ist also nicht in Sicht.
Der Appell in die Koalitionsverhandlungen sei «Wirtschaft auf die Eins», sagte Hauptgeschäftsführerin Schreiner. «Die aktuell besseren Geschäfte mögen zwar ein positives Signal sein, aber Aufschwung sieht anders aus.» Unternehmen brauchten Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen. Dafür brauche es schnellere Verfahren, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Kosten und bessere Investitionsbedingungen.
Die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer Berlin haben bei ihrer Konjunkturumfrage mehr als 1.000 Unternehmen befragt.