
Eberswalde/Nuthe-Nieplitz (dpa) – Bert war ewiger Single. Jahrelang stromerte der Elch durch die Weiten Brandenburgs – außer zur Brunftzeit, dann lebte er auf einer Rinderweide und machte den Kühen Avancen. «Er hat sich immer zwei Kühe raus gesucht und Besteigungsversuche gemacht», berichtet Wildtierexperte Frank-Uwe Michler. Der Wissenschaftler hat den berühmten Elch mit GPS-Halsband über Jahre auf Schritt und Tritt beobachtet – und ein inniges Verhältnis zu ihm entwickelt. Doch nun ist Bert plötzlich gestorben.
«Sein Tod macht uns sehr traurig», sagt Michler von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. «Fast neun Jahre lang wussten wir praktisch jeden Tag, wo er sich aufhielt.»
In der Brunftzeit suchte er die Nähe von Kühen
Elch Bert lebte sei Februar 2018 in Deutschland und machte den Naturpark Nuthe-Nieplitz südlich von Berlin zu seiner dauerhaften Heimat. Zur Brunftzeit lebte er auf immer derselben Rinderweide, sonst war er wie bei Elchen üblich als Einzelgänger in einem Gebiet von rund 10.000 Hektar unterwegs.
Bert habe für einen wissenschaftlichen Datensatz gesorgt, der die Forschung noch lange begleiten werde, so Michler. Über die Zeit hinweg habe er sich «zu einem regelrechten Maskottchen» entwickelt. Nicht nur für die Forscherinnen und Forscher – sondern auch für die Menschen in der Region und die Gäste des Naturparks.
Eine Todesnachricht am frühen Morgen – «Das war heftig»
Die schlimme Nachricht kam am Sonntagmorgen: Berts GPS-Tracker am Hals meldete, dass sich der Elch seit 24 Stunden nicht bewegt hatte. «Eine Mortalitätsnachricht am Morgen um 6 Uhr», nennt es Michler. «Das war heftig.» Er habe noch gehofft, dass Berts Sender einfach abgefallen sei. Denn der Elch sei ein sehr gesundes Tier gewesen. «Ich habe sofort den Bauern angerufen und ihn gebeten, nachzuschauen.» Bert war zur Brunftzeit seit Ende August wieder auf seiner Lieblingsweide mit den Rindern.
Doch der Bauern bestätigte die Befürchtungen: Bert war tot. Wie genau der Elch am vergangenen Samstag starb, ist nicht endgültig geklärt. Auch nach einer Sektion im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin bleiben viele Fragen offen.
Er habe schwere Verletzungen an seiner Flanke gehabt. «Ein stumpfes Trauma, das ein etwa fußballgroßes Hämatom verursacht hat», so Michler. Möglicherweise hatten die Rinder auf der Weide etwas damit zu tun – oder ein zweiter Elchbulle, der im Streifgebiet von Bert aufgetaucht war und inzwischen weitergezogen ist.
Ob Bert doch noch eine Partnerin gefunden hätte?
«Es wäre toll gewesen, wenn man ihn noch länger hätte beobachten können», sagt der Wildtierexperte wenige Tage nach dem Tod des Elches. «Es ist traurig, wenn man ein Tier über so einen langen Zeitraum verfolgt hat.» Spannend wäre es gewesen, was Bert noch getan hätte. Ob er zum Beispiel doch noch eine Partnerin gefunden hätte.
Aber er sei auch dankbar, dankbar für die Chance, einen Elch quasi in Echtzeit begleitet zu haben, meint der Wissenschaftler. Das sei eine absolute Ausnahme und etwas, was Forscher in der Telemetrie – dem Verfolgen von Sensorsignalen und Systemdaten – «Live History» nennen. Das sei nun vorbei: «Jetzt ist es leider so.»
Von Bert bleiben viele wissenschaftliche Daten und Erkenntnisse
Was von Bert bleibt, sind seine wichtigen Daten über das Verhalten von Elchen und die Bewegungen in ihrem Lebensraum. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass es auch in dicht besiedeltem Gebiet einen Lebensraum für kleine Elch-Populationen gibt. Und dass Elche nachtaktiv werden und sich abkühlen, wenn es ihnen zu warm wird. «Bert stand im Sommer oft tagsüber dumpf im Wasser und war in der Nacht aktiv.»
Außerdem brachte er Antworten auf die Frage: Wie kommen Elche mit Straßen zurecht? «Bert hat Straßen gequert, wenn sie wenig frequentiert von Menschen waren, vor allem nachts.» Autobahnen habe er komplett gemieden.
Fünf wilde Elche lebten nach Einschätzung des Wildtierexperten im Bundesland Brandenburg. Nun sind es nur noch vier. Ob es einen Nachfolger mit GPS-Halsband für Elch Bert geben wird, sei ungewiss. «Einen Sender zu bekommen, ist nicht trivial», meint Michler. «Aber ich wäre bereit für eine weitere Beobachtung.»
