
Berlin (dpa) – Nach friedlichem Protest der Initiative «Gen Z regelt» am Brandenburger Tor hat es bei einer weiteren Demonstration in Berlin Randale gegeben. Es gab Eier- und Flaschenwürfe, einige Teilnehmer warfen mit Böllern oder Steinen. Die Polizei stoppte den Protestzug am Samstagabend in Absprache mit dem Veranstalter frühzeitig. Nach ersten Angaben wurden mehr als 25 Einsatzkräfte leicht verletzt, knapp 60 Menschen wurden vorübergehend festgenommen.
Am Nachmittag waren zunächst Tausende dem Aufruf der Initiative «Gen Z regelt» gefolgt und demonstrierten friedlich. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich rund 11.000 Menschen am Brandenburger Tor, die Polizei sprach hingegen von etwa 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Spitze. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf.
«Es ist total ermutigend, dass so viele Menschen aus der ganzen Gesellschaft gekommen sind», sagte Sprecherin Veronika Dinter, die die Demonstration am Brandenburger Tor mitorganisiert hatte. «Die Versammlung verlief wie erwartet friedlich», sagte Polizeisprecher Jörn Iffländer.
Die Gruppierung «Gen Z regelt» fordert unter anderem mehr Geld für Schulen, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Eine Einführung der Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung. «Es geht um die Zukunft unserer Generation», sagte eine 16-Jährige. «Unsere Sorgen werden nicht ernst genommen», erklärte ein 32-Jähriger.
Viele Menschen trugen selbstgemachte Schilder oder Plakate. Darauf war unter anderem zu lesen: «Wir haben genug und haben nichts davon», «Wir wollen eine lebenswerte Zukunft», «Was macht ihr mit unserer Zukunft» oder «System update erforderlich» und «Wer Krieg will, soll selbst hingehen». Auf einem großen Banner war zu lesen: «Merz muss weg».
Gemischte Teilnehmergruppen
An dem Protest in Berlin beteiligten sich vor allem ältere Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende und Studierende. Aber auch die ältere Generation war vertreten, darunter «Omas gegen Rechts» sowie ein Mann mit dem Schild «Opa auch». Zudem nahmen Mitglieder linker und kommunistischer Parteien sowie propalästinensischer Gruppen teil. Einige Menschen trugen Halloween-Kostüme, ein paar hatten ihre Gesichter mit Schals vermummt.
Im Vorfeld des bundesweiten Protesttags hatte es Befürchtungen gegeben, dass die Jugendproteste von radikalen Kräften unterwandert werden könnten. Die Organisatoren von «Gen Z regelt» riefen zum Auftakt der Kundgebung am Brandenburger Tor erneut ausdrücklich zu friedlichem Protest auf und lehnten jede Form von Gewalt ab.
Angespannte Stimmung am Abend
Nach dem Ende der Veranstaltung am Brandenburger Tor zogen einige Hundert Menschen weiter zum Rosenthaler Platz in der Nähe der Hackeschen Höfe, wo die Demonstration mit dem Titel «Gen Z hat genug!» startete. Zunächst hatten sich dort laut Polizei rund 700 Menschen versammelt, schließlich waren es nach den Angaben bis zu 3.500 – deutlich mehr als zunächst angekündigt.
Den Veranstalter ordnet die Polizei dem linken Spektrum zu, auch zahlreiche Teilnehmer der propalästinensischen Szene waren vor Ort. Der Protestzug stand im Kontext mit den bundesweiten Jugendprotesten, war aber nicht Teil der bundesweiten Demos der Initiative «Gen Z regelt». «Wir stellen fest, dass der eine oder andere Teilnehmer bereit ist, Straftaten zu begehen», sagte Polizeisprecher Iffländer bereits zu Beginn der Demo.
Die Veranstaltung am Nachmittag und die am Abend seien ziemlich gegensätzlich gewesen, erklärte seine Kollegin Julia Scholz. Bei dem Protest am Abend sei die Stimmung von vornherein sehr angespannt gewesen. Es seien viele dunkelgekleidete und vermummte Menschen dabei gewesen. Der Protestzug wurde ein paar hundert Meter früher beendet als geplant.
Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung, Widerstands gegen Einsatzkräfte sowie Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz oder Landfriedensbrüchen.
Vermehrt Einsätze wegen Halloween
Die Polizei war den Tag über nach eigenen Angaben mit rund 1.500 Beamten zusätzlich in der Stadt unterwegs. Konfliktpotenzial sah sie in Kombination von Protesten der Gen Z mit der Halloween-Nacht, die regelmäßig in Berlin vermehrt zu Einsätzen der Polizei führt. So war es auch in diesem Jahr.
Genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor, wie ein Sprecher des Lagezentrums sagte. In einem X-Post sprach die Polizei aber von mehreren Vorfällen im Stadtgebiet. Demnach unterbrach die BVG kurzfristig den Busverkehr auf mehreren Linien, nachdem im Märkischen Viertel vorbeifahrende Busse immer wieder mit Pyrotechnik beworfen wurden. In Neukölln warfen Unbekannte eine Spanplatte auf ein vorbeifahrendes Polizeifahrzeug. Es gab brennende Mülltonnen und Böllerwürfe. Laut Polizei wurde niemand verletzt.
Angst vor Plünderungen
Aus Angst vor Plünderungen hatten einige Läden auf dem Kurfürstendamm ihre Schaufenster mit Holzplatten abgesichert. Einige Händler hatten ihre verrammelten Geschäfte einen Türspalt offen und Security eingesetzt. Die Sicherheitsbehörden hatten in Berlin nicht mit Plünderungen gerechnet und nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über gezielte Gewaltaufrufe.
In Frankfurt am Main kam es zu Krawallen. In der Mainmetropole wurden Geschäfte geplündert. Auch in Köln kam es zu gewalttätigen Szenen, die an die Ausschreitungen in Frankreich erinnerten. Die Initiative «Gen Z regelt» distanzierte sich von der Gewalt.