
Berlin (dpa/bb) – Etliche Kugeln durchschlugen die Fahrertür, ein 44-Jähriger starb: Rund sechs Monate nach tödlichen Schüssen in Berlin-Weißensee stehen drei Brüder vor dem Landgericht Berlin. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die drei «Blutrache» übten. Die Ermordung des 44-Jährigen war nach Ansicht der Anklage die Vergeltung für den Tod eines Cousins der Brüder.
Dem 25-jährigen und dem 32-jährigen Angeklagten wird gemeinschaftlicher Mord zur Last gelegt, dem älteren zudem eine Brandstiftung, die er gemeinsam mit dem 23-jährigen Bruder begangen haben soll. Die drei Brüder, die wie der Getötete aus der Türkei stammen, schwiegen zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen.
Schüsse aus einem Auto heraus
Der 44-Jährige wurde laut Ermittlungen über einen längeren Zeitraum ausgespäht. Die beiden älteren Brüder sollen ihn am Morgen des 31. Januar dieses Jahres in der Nähe seines Wohnhauses abgepasst haben. Als er in seinem Transporter saß, hätten die Angreifer aus einem Auto heraus mit Pistolen auf den siebenfachen Vater geschossen.
«Zwischen 14 und 18 Projektile drangen durch die Fahrertür hindurch», heißt es in der Anklage. Der Familienvater starb auf dem Fahrersitz seines Transporters. Nach der Tat hätten zwei der Angeklagten das mutmaßliche Fluchtauto in Berlin-Marzahn angezündet, um Spuren zu vernichten.
Neffe des 44-Jährigen hatte zugestochen
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die mutmaßlichen Täter den Tod eines Cousins vergelten wollten. Der 31-Jährige war im Juli 2025 mit einem Messer tödlich verletzt worden, als 40 bis 60 Menschen vor einem Lokal in Berlin-Gesundbrunnen aufeinander losgingen. Ein Neffe des später in seinem Transporter erschossenen 44-Jährigen habe in dem Streit zum Messer gegriffen. Weil Notwehr damals nicht ausgeschlossen werden konnte, sei der 25-Jährige nicht inhaftiert worden, hieß es am Rande des Prozesses.
Spätestens drei Monate nach dem Tod des Cousins sollen die beiden älteren Brüder und weitere bisher unbekannte Mittäter aus dem Familienkreis einen Vergeltungsschlag beschlossen haben. Auch der 44-Jährige habe zu der weit verzweigten Familie aus dem Südosten der Türkei gehört.
Für den Prozess sind bislang 18 weitere Verhandlungstage bis November 2026 terminiert.
