Bei den BR Volleys gab es das Sieger-Bier aus den Turnschuhen.
Bei den BR Volleys gab es das Sieger-Bier aus den Turnschuhen. Foto: Stefan Flomm/dpa

Lüneburg (dpa) – Besondere Ereignisse bedürfen besonderer Feierlichkeiten und Rituale: Nachdem die BR Volleys durch einen 3:1-Sieg beim Erzrivalen SVG Lüneburg für die Entscheidung in der «Best of Five»-Finalserie gesorgt hatten, feierten die Berliner die zehnte deutsche Volleyball-Meisterschaft in Serie mit einem kühlen Bier – wieder einmal serviert in ihren Schuhen.


Schon zuvor bejubelten die mit Meister-Shirts, Fischerhüten, bunten Sonnenbrillen und Hawaii-Ketten aus Schokoriegeln ausstaffierten Hauptstädter den 16. Titel des Rekordmeisters ausgiebig. Auf dem Boden der Lüneburger LKH-Arena klebte das goldene Konfetti der Siegerehrung in Sekt- und Bierpfützen. Noch in der Nacht ging es mit dem Mannschaftsbus zurück in die Hauptstadt. Am Samstag soll dann mit den Fans gefeiert werden.

Kapitän Ruben Schott: «Der Weg war unwahrscheinlich schwer»

«Der Weg war dieses Jahr unwahrscheinlich schwer für uns», sagte Kapitän Ruben Schott im Augenblick des Triumphes. In der Hauptrunde der Liga hatte es nur zu Platz zwei hinter Lüneburg gereicht, in den Europapokalen scheiterten die Volleys nach dem Aus in der Champions League dann im Viertelfinale des CEV-Pokals. Und im nationalen Pokal war auch schon im Halbfinale Endstation.

In der entscheidenden Phase der Saison aber hatten die Berliner ihre optimale Abschlagshöhe wieder erreicht. Das sah auch Kaweh Niroomand so. «In der Halbfinalserie gegen den VfB Friedrichshafen haben wir zu unserer eigentlichen Form gefunden», gab der Geschäftsführer der Volleys unmittelbar nach dem Matchball zu Protokoll.

Drei Trainer in einer Saison

Einer, der die Hauptstädter zurück in die Titelspur brachte, war Trainer Markus Steuerwald. Der 37 Jahre alte Ex-Nationalspieler und vorherige Co-Trainer übernahm das Team vor dem entscheidenden dritten Halbfinal-Spiel gegen Friedrichshafen vom Brasilianer Alexandre Leal, der wiederum die Nachfolge des im Januar freigestellten Joel Banks angetreten hatte, dann aber aus familiären Gründe zurücktrat.

«Wie die Mannschaft in den letzten zwei Wochen gearbeitet hat, war wirklich besonders. Wir haben gemeinsam die paar mehr Prozent rausgekitzelt, die diesen Titel möglich machen», sagte Steuerwald nach seinem vierten Sieg im vierten Playoff-Spiel. Das Lob kam aber sofort wieder zurück: «Markus kannte die Mannschaft. Er wusste, was die Spieler brauchten», sagte Mittelblocker Florian Krage-Brewitz.

Diagonalangreifer Hanes verlässt den Club

In der nächsten Saison steht Steuerwald als Chefcoach der Grizzlys aus dem niedersächsischen Giesen an der Seitenlinie. Und auch ein anderer Wermutstropfen wurde am Abend des Titelgewinns bekannt. Diagonalangreifer und Punktelieferant Jake Hanes verabschiedet sich ebenfalls. Der 28-jährige US-Boy habe «tolle Angebote aus dem Ausland und wird uns leider verlassen», sagte Geschäftsführer Niroomand dem Streamingdienst Dyn. Zuletzt war über einen Wechsel von Hanes nach Griechenland spekuliert worden.

Satt ist beim Rekordmeister von der Spree aber niemand, der Hunger nach weiteren Titeln ist groß. Für Niroomand eine Herausforderung und ein Ansporn zugleich. «Eine solche Wackelsaison darf es nicht mehr geben», forderte der 73 Jahre alte Multifunktionär, der auch noch Chef der Berliner Olympiabewerbung ist. Und einfacher wird es auch nicht. «Lüneburg wird immer besser», sagte Krage-Brewitz über seinen Ex-Club, bei dem er einst zu jenem Meisterspieler reifte, der er heute ist.