
Stendal (dpa/sa) – Die während der Sanierung der Bahnstrecke Berlin-Lehrte weitgehend von Fernverkehrsverbindungen abgeschnittenen Landkreise in Sachsen-Anhalt und Brandenburg erhöhen den Druck auf die Deutsche Bahn. Die betroffenen Regionen seien kurzfristig mit weitreichenden Entscheidungen konfrontiert worden und hätten keine Vorbereitungszeit gehabt, die Ersatzangebote seien unzureichend miteinander abgestimmt, Anschlüsse teils nicht zuverlässig erreichbar, sagten die Landräte der Landkreise Stendal und Havelland sowie dem Altmarkkreis Salzwedel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Landräte fordern Rückkehr von Berlin-Verbindungen
Gemeinsam fordern sie die Rückkehr einer Fernverkehrsanbindung zwischen Stendal und Berlin über Wittenberge. Die reguläre Regionalexpress-Verbindung nach Berlin über Rathenow müsse zudem schnellstmöglich wieder in Betrieb gehen, fordern die Kommunalpolitiker weiter.
Derzeit verkehren in der Hansestadt Stendal in der Altmark keine ICE-Züge sowie keine direkten Fernverkehrsverbindungen nach Berlin. Hintergrund ist die Sperrung der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover wegen einer Generalsanierung seit Anfang des Monats. Für rund 14 Monate bleibt die Strecke vollständig gesperrt. Hinzu kommen erhebliche Einschränkungen im Nahverkehr: Regionalzüge verkehren etwa zwischen Nauen und Stendal über Wittenberge. Die dazwischenliegenden Halte, etwa Rathenow, sind nur über Ersatzbusse erreichbar. Auch wer von Stendal weiter nach Wolfsburg muss, ist auf die Busse angewiesen.
Klinik-Chefarzt: 30 Prozent der Beschäftigten auf Bahn angewiesen
Die Verbindungen müssten so getaktet werden, dass Reisende sicher ihre Anschlüsse nach Berlin erreichen könnten, so die Landräte. Die Bahn müsse zudem transparent mitteilen, welche Maßnahmen umgesetzt würden. Ein Vertreter der Bahn hatte seine Teilnahme an der Pressekonferenz mit Verweis auf laufende Abstimmungen abgesagt.
Die derzeitigen Einschränkungen beträfen nicht nur Pendler, sondern auch medizinische Einrichtungen und Bildungsangebote, hieß es weiter. Bis zu 30 Prozent der Beschäftigten des Klinikums Stendal seien auf die Bahn angewiesen, sagte Michael Groß, Chefarzt für Kardiologie des Klinikums. Die aktuellen Einschränkungen erschwerten nicht nur den täglichen Arbeitsweg, sondern auch die Organisation des Krankenhausbetriebs.
Bahn prüft zusätzliche Halte von Fernzügen in Stendal
Ob es künftig weitere Halte von Fernzügen in Stendal geben könne, sei derzeit in Prüfung, sagte eine Sprecherin der Bahn. Um welche konkreten Verbindungen es dabei geht, ließ die Bahn offen. Zu dieser und weiteren möglichen Verbesserungen für Reisende im kommenden Fahrplan für 2027 liefen derzeit Gespräche mit Aufgabenträgern, Eisenbahnunternehmen und politischen Vertretern. Das Unternehmen bedauere die aktuellen Einschränkungen und Fahrzeitverlängerungen für Reisende.