
Berlin (dpa) – Ausnahmezustand am Hauptstadtflughafen BER mitten in den Winterferien: Aufgrund von Blitzeis ist der Flugbetrieb in Schönefeld seit Donnerstagabend eingestellt. Hunderte Passagiere sind gestrandet, manche von ihnen mussten die Nacht im Terminal verbringen. An den Check-in-Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Die Menschen versuchen herauszufinden, wie es für sie weitergeht.
Auch am Freitagvormittag landeten und starteten keine Flieger. «Wir dachten ursprünglich, dass wir mit dem Betrieb starten können. Das war aber nicht möglich», sagte eine BER-Sprecherin. «Es kommt zu massiven Verspätungen und Flugausfällen.»
Urlaube spielen auf dem Spiel
Für viele Passagiere steht der Urlaub nun auf dem Spiel. Zu ihnen gehört auch Katja Kentmanseidel aus Braunschweig. Sie ist eigentlich auf dem Weg nach Ägypten. Ihr Flug sollte bereits am Donnerstagnachmittag abheben. Erst am späten Abend bekam sie die Mitteilung, dass er ausfällt. Ein Hotel bekam sie da nicht mehr, die Nacht verbrachte sie in den Flughafenhallen. «Wenigstens eine Tasse Tee hätten sie uns hier bringen können», sagt sie.
Auch Bernd Kusitzky ist frustriert. Schon zwei Mal saß er am BER im Flieger nach London, musste ihn aber wieder verlassen. Auch er bekam am späten Abend die Nachricht, dass der Flug ausfalle. «Für das Eis kann niemand was, aber für die Informationen, die wir bekommen, das ist wirklich unterirdisch», schimpfte er. Immerhin bekam er noch ein Zimmer im Hotel.
Weitere Fluggäste beklagen die schlechte Informationslage ihrer jeweiligen Fluggesellschaften. An den Check-in-Schaltern hätten diese gar keine Ansprechpartner. Angaben online seien nur spärlich.
Winterdienst im Dauereinsatz
Der Winterdienst der Flughafengesellschaft ist derweil im Dauereinsatz. Die ganze Nacht über seien die Vorfelder, Start- und Landebahnen mit Enteisungsmittel behandelt worden, sagte die Sprecherin. Räummaschinen waren auf dem Flugfeld im Einsatz. Aber ohne Erfolg, sie seien spiegelglatt, hieß es. Wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden könne, sei weiter unklar.
Sobald der Betrieb wieder aufgenommen werde, könnten die Airlines in der Regel entscheiden, ob der Flug noch heute stattfindet, ausfällt oder verschoben wird, betonte die BER-Sprecherin. «Die Fluggäste werden gebeten, ihren Flugstatus zu prüfen.»
Experte: Bei Eisregen geht nichts mehr
Eisregen ist für Flughäfen nach den Worten des Luftfahrtexperten Cord Schellenberg ein hohes Sicherheitsrisiko. «Für Piloten sind eisglatte Pisten absolute Ausschlusskriterien. Da ist null Spielraum», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Da geht nichts und da rollt auch nichts.»
Bei Eisregen friere die Feuchtigkeit am Boden und auf den Flugzeugen derart schnell, dass ein sicherer Betrieb nicht möglich sei. Schnee lasse sich dagegen besser bearbeiten und mit Räumfahrzeugen wegschieben. «Das ist eher winterliche Routine, während Eisregen die winterliche Herausforderung schlechthin ist», betonte Schellenberg.
Wenn die Sicherheit bei Start und Landung auf dem Flughafen nicht gewährleistet sei, müsse der Verkehr eingestellt werden. «Das gilt auch für den Boden: Denn wenn Flugzeuge nicht mehr rollen können, können auch die Betriebsfahrzeuge wie Busse, Technik- oder Rettungswagen nicht mehr auf dem Vorfeld fahren.» Der Flughafen sei dann insgesamt nicht mehr nutzbar, sagte Schellenberg. «Das Unkontrollierbare von Glatteis gilt für alle, die sich auf dem Flughafen bewegen.»
Einschränkungen schon am Donnerstag
Schon im Laufe des Donnerstags hatte es am Flughafen BER eine Reihe von Problemen gegeben. Zunächst konnten am Morgen nach gefrierendem Regen keine Maschinen starten. Das Enteisen der Flugzeuge nahm jeweils bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch. Der erste Flieger hob dann am späten Vormittag ab.
Im Flugplan kam es anschließend zu erheblichen Verzögerungen und zahlreichen Ausfällen. Fluggäste mussten zum Teil lange Wartezeiten auf sich nehmen. Von den 180 geplanten Starts wurden der Sprecherin zufolge bis gegen Mittag bereits 35 komplett gestrichen und danach noch mehrere Dutzend.
Winterwetter hat Hauptstadtregion fest im Griff
Der Winter hatte in und um Berlin zuletzt auch bei anderen Verkehrsträgern für erhebliche Einschränkungen gesorgt. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mussten in der vergangenen Woche den Straßenbahnverkehr wegen eingefrorener Oberleitungen über Tage einstellen. In dieser Woche kam es aufgrund erneuten Eisregens zu Beeinträchtigungen auf den U-Bahnlinien U2 und U3.
Auf den Straßen war es am Freitag ebenfalls glatt. In Brandenburg starb im Landkreis Ostprignitz-Ruppin am Donnerstag eine 82-Jährige, die ersten Erkenntnissen zufolge mit ihrem Auto aufgrund von Glätte in den Gegenverkehr geraten und dort mit einem Auto zusammengeprallt war. Bei weiteren Unfällen am Freitag, unter anderem auf der A10 zwischen Mühlenbeck und Birkenwerder, wurden mehrere Menschen schwer verletzt.
