Gülpe (dpa) – Ein Forscherteam hat erstmals dort gegraben, wo im Havelland die Slawenburg Pilatsch gestanden haben soll. Zwei Wochen lang rückte es mit archäologischen Instrumenten in Gülpe in der Gemeinde Havelaue an der Grenze zu Sachsen-Anhalt an und öffnete einen Teil des Bodens, wie das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege mitteilte. «Die Grabungsarbeiten erfolgten vollständig in Handarbeit.»
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessiert vor allem wie der Burgwall und die Gräben aufgebaut waren. Außerdem fragen sie sich, welche unterschiedlichen Nutzungsphasen es gab und wie sich die Strukturen zeitlich einordnen lassen.
Funde von den Slawen aber auch aus Eisen- und Jungsteinzeit
Neben slawischen Spuren wurden den Angaben zufolge auch Funde aus der vorrömischen Eisenzeit und dem Neolithikum, der Jungsteinzeit, entdeckt. Das zeige, dass das Gebiet bereits lange vor den Slawen von Menschen genutzt wurde – und mache es zu einem spannenden Forschungsort.
«Die Funde, darunter auch zahlreiche Keramikfragmente, Schlacken oder Tierknochen können zusätzliche Hinweise auf die Nutzung des Platzes, die Lebensbedingungen seiner ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner sowie die zeitliche Entwicklung des Fundortes liefern», hieß es. Schlacken sind laut Landesamt Nebenprodukte aus der Schmelze von Erzen.
Wie lebten die Menschen früher in Flusslandschaften?
Nun werden die archäologischen Funde, Sedimentproben und Geländedaten umfassend ausgewertet. Die Untersuchungen könnten neben der Besiedlung Brandenburgs auch weitere Erkenntnisse zum historischen Umgang des Menschen mit Flusslandschaften liefern.
An den Grabungen beteiligt waren Forscherinnen und Forscher der physischen Geographie, Geophysik und Archäologie der Universität Leipzig, der Universität Tübingen und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.

