Berlin (dpa) – Nach zwei Angriffen auf die Stromversorgung in Deutschland warnen Krisenvorsorgeexperten vor einer neuen Qualität bei den Attacken. «Fakt ist aber, dass hier eine gefährliche Eskalationsspirale am Laufen ist und wir hier gerade Aktionen auf einer Ebene sehen, die es bisher nicht gab und die wirklich besorgniserregend ist», sagte Herbert Saurugg, Präsident der Gesellschaft für Krisenvorsorge. Zwar hätten die Sicherheitsmaßnahmen der Übertragungsnetzbetreiber hervorragend gegriffen, «aber mit Aktionen auf dieser Ebene sehen wir eine bisher nicht bekannte Eskalationsbereitschaft».
Angriffe auf Stromversorgung
In Brandenburg brachten zu Wochenbeginn Unbekannte mittels selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Höchstspannungsleitungen am Umspannwerk Turnow-Preilack, um Kurzschlüsse herbeizuführen. In Bergheim bei Köln wurde durch einen vorsätzlich herbeigeführten Kurzschluss eine Störung am Umspannwerk verursacht, wodurch fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gingen.
«Auf dieser Ebene kann es im Gegensatz zum letzten Anschlag in Berlin wirklich zu weitreichenden kaskadierenden Ausfällen kommen, auf die wir als Gesellschaft kaum vorbereitet sind», führte Saurugg aus. Gleichzeitig werde die Bedrohung aus seiner Sicht «noch nicht ernst genug genommen». Weitere Sicherheitsmaßnahmen würden aber dennoch «in diesem Bereich keine hundertprozentige Sicherheit» bringen. Die Gesellschaft müsse die eigene Resilienz und Handlungsfähigkeit erhöhen – auch individuell, sagte Saurugg.
Individuelle Vorsorge
Die Menschen sollten sich so aufstellen, «dass man einfach mit 14 Tagen Versorgungsausfall umgehen kann», betonte Saurugg. Komme es nämlich zu einem großflächigen Stromausfall, würden Infrastrukturen zusammenbrechen und Versorgungsleistungen wie die Wasserversorgung wegbrechen. Es gehe bei der Vorsorge unter anderem um Lebensmittel und Medikamente. «Natürlich ist es erforderlich, parallel auch strukturell, vor allem in den Gemeinden und Kommunen, Vorbereitungen zu treffen», ergänzte Saurugg. Wenn die stromabhängige Wasserversorgung in einer Kommune ausfällt, würde das etwa zu massiven Problemen führen.
Bei einem Blackout würde laut Saurugg die gesamte Telekommunikation zusammenbrechen. «Das heißt, es gibt keine Kommunikationsmöglichkeiten mehr. Damit gibt es auch keine Zahlungssysteme mehr.» Man könne dann nicht mehr einkaufen. «Ich kann nicht mehr tanken, der öffentliche Verkehr – vor allem stromgebunden – kommt zum Erliegen.» In Teilen könnte die Wasserversorgung ausfallen.

