
Berlin (dpa/bb) – Sie griffen am Berliner Humboldt Forum plötzlich eine viel kleinere Gruppe an: Rund ein Jahr nach der Tat, bei der ein 20-jähriger Syrer getötet wurde, hat das Landgericht sechs Männer und eine Frau verurteilt. Ein inzwischen 17-Jähriger, der auf den 20-Jährigen eingestochen hatte, erhielt wegen Totschlags und Beteiligung an einer Schlägerei eine Jugendstrafe von sechs Jahren. «Es ist mit besonderer Rücksichtslosigkeit, anlasslos, mit großer Übermacht agiert worden», sagte der Vorsitzende Richter Wulf Burchards.
Drei weitere Angeklagte, 24, 20 und 18 Jahre, wurden unter anderem der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Gegen zwei dieser Angeklagten ergingen Jugendstrafen von drei Jahren und neun Monaten beziehungsweise viereinhalb Jahren. Der 24-Jährige erhielt eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Haft.
Zwölf Personen hätten eine Gruppe von drei Männern attackiert – «die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet», so der Richter. Es habe keinerlei Vorbeziehungen der Gruppen gegeben, es könne sich «nur um einen unbedeutenden Anlass gehandelt haben». Der tödliche Messereinsatz sei eine Exzesstat gewesen.
Geständnisse und Reue vor Gericht
Die drei weiteren Angeklagten hätten sich zwar an der Schlägerei beteiligt, ihnen sei die Todesfolge aber nicht zuzurechnen, hieß es weiter im Urteil. Ein 19-Jähriger erhielt eine Bewährungsstrafe, ein 17-Jähriger wurde verwarnt und soll 80 Stunden Freizeitarbeit leisten, ein ebenfalls 17-Jähriger erhielt eine Weisung. Die Angeklagten – sechs aus Afghanistan stammende Männer und eine irakische Staatsangehörige – hatten im Prozess im Wesentlichen gestanden. Sie hätten Reue gezeigt, so das Gericht. Bei der Tat seien sie zum Teil durch Alkohol und Drogen enthemmt gewesen.
Der 20-jährige Syrer und seine damals 21 und 23 Jahre alten Begleiter saßen am Abend des 12. September 2025 unterhalb des Humboldt Forums an der Promenade auf Stühlen, als die Gruppe der Angeklagten sich näherte. Drei von ihnen seien nach Videoaufnahmen zu dem Geschehen auf die sitzenden Männer zugegangen und hätten eine Auseinandersetzung begonnen, die weiteren Angeklagten seien sofort hingerannt und hätten sich beteiligt.
Messer und Schlagstock eingesetzt
Der inzwischen 24-Jährige führte laut Urteil ein Messer bei sich, ein Mittäter einen Teleskopschlagstock. Als der 24-Jährige das Messer verlor, habe die 17-Jährige es aufgehoben. Der jüngste Angeklagte, damals 16 Jahre alt, habe es an sich genommen und eingesetzt. Drei Stiche seien es gewesen, einer davon tödlich. Der 20-jährige Syrer starb wenig später in einem Krankenhaus.
Die Angeklagten und weitere Verdächtige wurden im Dezember festgenommen und kamen in Untersuchungshaft. Die Haftbefehle gegen drei der Angeklagten wurden nun aufgehoben. Mit den Schuldsprüchen folgte das Gericht im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten auf deutlich geringere Strafen plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Das Humboldt Forum, ein Nachbau des alten Schlosses mit Museumsräumen, liegt mitten im historischen Zentrum Berlins nahe der Museumsinsel.
