
Berlin (dpa) – Mit Ex-Coach Urs Fischer hatte Danilho Doekhi noch nicht gesprochen, da gab es noch eine wichtige Frage zu klären. War Union Berlins torgefährlicher Verteidiger der Schütze des späten Treffers zum 2:2 gegen Mainz 05 oder Stürmer Marin Ljubicic. Die Meinungen gingen auseinander. Doch Doekhi lächelt nur milde. Er wisse es selbst nicht.
Der Niederländer, der in den WM-Playoffs im März gerne für Surinam spielen würde, konnte als Tor-Gönner auftreten, er hat schon sechs Saisontore, vier davon in der Bundesliga. Die Deutsche Fußball-Liga machte Ljubicic zum offiziellen Torschützen. Egal. Bei Union zählt nur «das Kollektiv» wie Trainer Steffen Baumgart mehrmals betonte. Und das Kollektiv funktioniert derzeit.
Solo-Show nur für Fischer
Eine Solo-Show gibt es bei den Eisernen nur unter besonderen Umständen. Und ein solcher war natürlich die Rückkehr von Ex-Coach Fischer mit den Mainzern. Gerade für die Profis, die unter dem Schweizer gespielt haben, erzählte Doekhi. Es war eine besondere Zeit bis zur emotionalen Trennung vor gut zwei Jahren.
Professionell nahm Baumgart hin, dass seinem Vor-Vor-Vorgänger auf dem Trainerstuhl der Eisernen der Tages-Fokus galt. Wenn die Berliner sich nun auf eine Südreise zu den Auswärtsspielen am Donnerstag beim FC Augsburg und am Sonntag beim VfB Stuttgart machen, hat Baumgart keine Fischer-Probleme. Abstiegskampf ist ein Mainz-Thema, nicht ein Union-Thema.
Das Kollektiv funktioniert
Einen Grund dafür hat Baumgart ausgemacht. Die Kader-Breite passt. Auch gegen Mainz sorgten Joker für die Wende. Wooyeong Jeong (77. Minute) und eben Ljubicic (86.). Oder Andras Schäfer, den Baumgart hervorhob. Oder Ilyas Ansah. Wer reinkommt, ackert. «Wir als Verein und als Mannschaft kommen übers Kollektiv», postulierte Baumgart, dem sicher auch Doekhis Tor-Selbstlosigkeit gefiel.
22 Punkte kurz vor Saisonhalbzeit und ein sicherer Platz in der oberen Tabellenhälfte erfüllen die Union-Erwartungen. Ob das Kollektiv aber auch für die zweite Hälfte der Spielzeit so zusammenbleibt, ist offen.
Doekhi wird unverändert von englischen Clubs gelockt. Sein Abwehrkollege Diogo Leite wollte schon im Sommer weg. Angeblich soll der Belgier Zeno Van Den Bosch von Royal Antwerpen schon als Ersatz bereitstehen, berichten die gängigen Transferexperten.
