
Berlin (dpa/bb) – Weil er vor rund zehn Jahren eine Schülerin missbraucht haben soll, steht ein Lehrer vor dem Landgericht Berlin. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen vor, das Vertrauensverhältnis zu einer damals 16-jährigen Schülerin ausgenutzt zu haben. Die Anklage lautet auf Missbrauch von Schutzbefohlenen, Vergewaltigung und Körperverletzung. Der 44-Jährige schwieg zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen.
Dem Mann werden 16 mutmaßliche Taten in der Zeit von August 2016 bis Ende Dezember 2017 zur Last gelegt. Als sich die Schülerin in einer familiären Krise befand, habe der Pädagoge seine Position als Lehrkraft und Tutor ausgenutzt, um mit dem Mädchen «eine Beziehung zu führen und sich als ihr einziger Bezugspunkt zu etablieren», heißt es in der Anklage.
Zu den Taten sei es in der Wohnung des Angeklagten in Berlin-Mitte und auch in der Wohnung der Schülerin gekommen. In drei Fällen habe er sie vergewaltigt. Bei einer Tat habe er «in Kenntnis des krankheitsbedingten Schlafens» der Schülerin sexuelle Handlungen vorgenommen. Als sie wegen ihrer Schmerzen stöhnte, habe er ihr ein Kopfkissen auf das Gesicht gedrückt. Im Herbst 2016 habe der Angeklagte für ein «Ritual der Bekräftigung der Beziehung» mit einer Rasierklinge in den Handballen der Jugendlichen geritzt.
Vater: «Ich hätte stutzig werden müssen»
Als erster Zeuge sagte der Vater der inzwischen 27-Jährigen, er mache sich große Vorwürfe. Damals sei er beruflich sehr eingespannt gewesen. Seine Tochter, die eine gute Schülerin gewesen sei, habe ihm den Lehrer als ihren Freund vorgestellt. «Ich hätte stutzig werden müssen, mit ihr reden», so der Vater im Prozess. Seine Frau sei damals erheblich erkrankt gewesen – «es gab schon Spannungen». Seine Tochter sei schließlich zu dem Lehrer gezogen. Er habe das Paar «eigentlich als positiv erlebt».
Erst Jahre nach der Trennung habe er von seiner Tochter einige Dinge erfahren – «sie sagte, dass sie zum Teil auf dem Boden schlafen musste und Strafen ausgesetzt war, wenn sie etwas falsch gemacht hat, sie habe sich wie eine Gefangene gefühlt». Die 27-Jährige ist nun im Prozess als Nebenklägerin beteiligt.
Der 44-Jährige wurde von Sanitätern auf einer Rolltrage in den Gerichtssaal geschoben. Hintergrund für seine gesundheitlichen Probleme sei ein Autounfall vor etwa sechs Jahren, hieß es am Rande. Für den Prozess sind acht weitere Tage bis zum 17. Dezember vorgesehen.