
Berlin/Karlsruhe (dpa) – Sie sollen für die Hamas Waffen und Munition für geplante Anschläge in Deutschland oder Österreich besorgt haben: Sieben mutmaßlichen Mitgliedern der islamistischen Terrororganisation soll in Berlin der Prozess gemacht werden. Das Kammergericht hat die Anklage der Bundesanwaltschaft zugelassen, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Am 13. Januar 2027 soll der Prozess in der Hauptstadt beginnen.
Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll die Hamas am zweiten Jahrestag des Terrorangriffs auf Israel einen Mordanschlag auf Repräsentanten Israels, Juden oder Unterstützter geplant haben. Die Angeklagten sollen als sogenannte Auslandsoperateure für die Vereinigung tätig gewesen sein.
Die Bundesanwaltschaft legt den Männern mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last. Zudem gehe es um Verstöße gegen das Waffenrecht und in einigen Fällen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.
Anfang Oktober 2025 hatte die Bundesanwaltschaft zunächst drei von ihnen in Berlin festnehmen lassen. Bis dahin hatte die Gruppe ein funktionsfähiges vollautomatisches Gewehr, 13 Pistolen und mehr als 700 Schuss Munition besorgt, so die Behörde. Weitere Festnahmen folgten, zuletzt im Mai 2026. Alle Angeklagten befinden sich nach Gerichtsangaben in Untersuchungshaft.
Nach damaliger Aussage von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wurde seinerzeit eine terroristische Bedrohungslage abgewendet. Die Hamas bestritt damals Verbindung zu den festgenommenen Verdächtigen. Laut Bundesanwaltschaft hat der militärische Flügel der Hamas vor längerer Zeit begonnen, Waffendepots in Europa anzulegen. Den Erkenntnissen nach sollen hochrangige Hamas-Funktionäre die Beschuldigten beauftragt haben, Waffen und Munition in Deutschland zu beschaffen.
Nicht der erste Gerichtsprozess
Die Hamas ist verantwortlich für den Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Menschen als Geiseln genommen wurden, und der den Gaza-Krieg auslöste. Kurz darauf hatte die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ein Betätigungsverbot für die in Europa als Terrororganisation eingestufte Gruppe ausgesprochen.
Der Prozess gegen die mutmaßlichen Hamas-Mitglieder ist nicht der Erste in Berlin. Ende März 2026 hatte das Kammergericht vier Männer zu Haftstrafen von viereinhalb bis sechs Jahren verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts waren sie als Auslandsoperateure für Waffendepots in mehreren europäischen Staaten zuständig, die für Anschläge genutzt werden sollten.
Der Staatsschutzsenat sprach sie der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig. Über Kontakte zwischen den vier Männern und den Angeklagten im aktuellen Verfahren war bisher nichts bekannt. Für den neuen Prozess sind bislang Verhandlungstermine bis 25. August 2027 geplant.