Anwalt Völker kündigt für später eine Erklärung zur Sache an.
Anwalt Völker kündigt für später eine Erklärung zur Sache an. Foto: Harald Tittel/dpa

Trier (dpa) – Im Prozess um ein dreifaches Tötungsdelikt auf den Kapverden kurz vor Weihnachten 2025 hat ein Ermittler vor Ort über den Fund der Leichen in einer Ferienwohnung berichtet. «Da war überall Blut», sagte der Chefinspekteur der Kriminalpolizei in Mindelo auf der Insel São Vicente in einer Videoschalte im Gerichtssaal des Landgerichts Trier.

In der Wohnung hätten er und seine Kollegen eine männliche und zwei weibliche Leichen gefunden, die zahlreiche Stichverletzungen an allen Körperbereichen aufwiesen. «In meiner 20-jährigen Laufbahn habe noch nie eine so grausame Situation erlebt», sagte er laut Übersetzer.


Für die Tat verantwortlich sein soll ein 19-Jähriger, der derzeit wegen Mordes und Totschlag vor dem Landgericht Trier steht. Laut Anklage soll der junge Mann aus der Eifel im gemeinsamen Weihnachtsurlaub auf den Kapverden seinen Vater, dessen Freundin und deren Tochter erstochen haben.

Tatwaffe womöglich ins Meer geworfen 

Der Vater (58) wohnte laut Staatsanwaltschaft Trier im Raum Aachen, die beiden Frauen im Alter von 20 und 45 Jahre hatten ihren Wohnsitz in Berlin. Der Angeklagte, ein Deutscher, stammt aus einer früheren Ehe seines Vaters. 

Der Chefinspekteur berichtete, die Tatwaffe sei bislang nicht gefunden worden. Ein Zeuge – ein Fischer – habe beobachtet, wie am Strand jemand etwas ins Meer geworfen habe. Bei einem Tauchgang sei nicht das vermutete Messer, aber das Handy des getöteten Vaters auf dem Grund geborgen worden.

Der Fischer sagte nach Aussage eines weiteren Inspektors, der Mann habe blutverschmierte Kleidung getragen und einen verwirrten Eindruck gemacht. Anschließend sei der Mann am Fischmarkt in ein Taxi gestiegen und davongefahren.

Zum mutmaßlichen Motiv für die Tat konnte der Ermittler nicht viel sagen. «Es gab gewisse Unstimmigkeiten in der Familie», sagte er lediglich.

Der Angeklagte lebte zuletzt im Kreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz – und damit im Zuständigkeitsbereich der Trierer Staatsanwaltschaft. 

Wohnung bis 29. Dezember gebucht

Knapp einer Woche vor der Tat waren die vier zum gemeinsamen Urlaub auf die kapverdischen Inseln vor der Westküste Afrikas gereist. Sie wollten eigentlich bis zum 29. Dezember bleiben.

Die Tat soll am 23. Dezember 2025 in einer Ferienwohnung in Mindelo passiert sein. Laut Anklage hat der 19-Jährige zunächst die Tochter attackiert, die zum Schlafen im Bett gelegen und keine Möglichkeit gehabt habe, sich zu wehren. Daher ist hier Mord angeklagt.

«Von der Tat völlig überrascht»

Danach soll der 19-Jährige auf den Vater und seine Partnerin losgegangen sein. Im Kampf habe er den Opfern «eine Vielzahl von Stich- und Schnittwunden» zugefügt. Hier ist Totschlag angeklagt. Alle drei starben an den Folgen von Halsverletzungen.

Nach Ansicht des Chefinspekteurs wurden die Opfer von der Tat «völlig überrascht». Die Leichen seien weitgehend nackt gewesen und hätten auf dem Rücken gelegen. «Der Täter hat es genau geplant, den Tatort mit so vielen Blutflecken zu verlassen», sagte er.

Nach der mutmaßlichen Tat flüchtete der 19-Jährige. Er flog in die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Da wurde er am ersten Weihnachtstag aufgrund eines Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Trier festgenommen. Mitte Januar erfolgte seine Auslieferung nach Deutschland.

Taxifahrer fuhr Tatverdächtigen zur Apotheke

Ein weiterer Ermittler in Mindelo erzählte, der Taxifahrer habe den Tatverdächtigen auf dem Weg zum Flughafen zu einer Apotheke gefahren, wo sich dieser mit Pflaster und Mullbinden eindeckte. Später habe er seine blutverschmierte Kleidung gewechselt und sich gewaschen. 

Die Kleider habe er am Flughafen im Gebüsch entsorgt. Von dem Fahrgast habe er sich nicht bedroht gefühlt, sagte der Taxifahrer. Er habe einen ruhigen Eindruck gemacht.

Der Prozess findet vor der Jugendkammer des Landgerichts Trier statt, da der Angeklagte mit 19 Jahren zur Tatzeit Heranwachsender war. Der Prozess geht am 11. November weiter. Er ist vorläufig bis zum 2. Dezember geplant.