
Berlin (dpa) – Den Initiatoren der Gen-Z-Demonstrationen rät die Aktivistin Luisa Neubauer dazu, ihre Themen stärker einzugrenzen. «Es ist einfach leichter, Druck aufzubauen, wenn man Forderungen fokussieren kann», sagte Neubauer im RBB-«Inforadio».
Sie könne nachvollziehen, dass die Bewegung sich angesichts der vielen Krisen und Baustellen zerrissen fühle. «Das führt natürlich schnell dazu, dass man sagt, wir müssen das alles angehen.» Strategisch gesehen mache es aber Sinn, die Forderungen genauer zu schärfen, auch um sich von anderen abgrenzen zu können. Die Bewegung sei aber eben ein Kind der Zeit. «Und diese Zeit sagt uns, überall sind Krisen, wir wissen gar nicht, wo man anfangen soll.»
Neubauer: Junge Leute werden wie Fremdkörper behandelt
Zehntausende junge Menschen hatten am Wochenende deutschlandweit zumeist friedlich demonstriert. Im Anschluss kam es zu teils schweren Krawallen, besonders in Frankfurt am Main. Viele Politiker äußerten sich am Tag danach zu der Gewalt.
Auf die Frage, ob es sie nerve, dass mehr über die Gewalt als über die Sorgen der jungen Menschen gesprochen werde, antwortete Neubauer: Ja, sie habe den Eindruck, es sei für einige, die von Anfang an kein Interesse daran gehabt hätten, sich ernsthaft mit den Bedürfnissen junger Menschen auseinanderzusetzen, «so eine Art gefundenes Fressen».
Die Art und Weise, wie über die Proteste geredet werde, und dass die Gewalt von wenigen genutzt werde, um eine ganze Bewegung zu diskreditieren, symbolisiere eigentlich schon alles, was schieflaufe. «Junge Leute tun sich zusammen und man behandelt die wie so einen Fremdkörper, vor dem man erst mal Angst haben muss.»
Neubauer wünscht sich nach eigener Aussage, dass die Proteste weitergehen. Der politische Druck müsse weiter aufgebaut werden und wachsen. Es sei gut, dass es erste Gesprächsangebote wie die von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) gebe, durch ein nettes Gespräch allein würden die Probleme aber nicht gelöst.