
Baruth/Mark/Gleichen (dpa) – Bei dem Wolfsangriff auf ein Kind in einem Wildpark in Brandenburg hält der Vorsitzende des Deutschen Wildgehege-Verbandes eine spontane Reaktion des Tieres für möglich. «Wenn es zu einem Biss und einer schwerwiegenden Verletzung gekommen ist, hat es mit Sicherheit aus irgendwelchen Gründen eine negative Übersprungshandlung gegeben», sagte Eckhard Wiesenthal der Deutschen Presse-Agentur.
Hektik, Schreie, Hinfallen
Solche Übersprungshandlungen bei Wölfen können dem Fachmann zufolge etwa durch Fehlverhalten wie falsche Bewegungen, Hektik und Schreie ausgelöst werden oder sogar durch einfaches Hinfallen. Wenn es nur Neugier gewesen wäre, würde der Wolf schnuppern, aus dem Spiel heraus eine Scheinattacke machen und nicht gleich beißen, sagte Wiesenthal.
Ein Wolf hatte am Mittwoch in einem Wildpark in Baruth/Mark ein achtjähriges Mädchen angegriffen und schwer verletzt. Die Kleine war laut Polizei mit zwei anderen Kindern und einer Mitarbeiterin der Einrichtung in einem Gehege. Der Landkreis will den Fall aufarbeiten und zudem den Wildpark vor Ort überprüfen.
Experte gegen Kontakte von Wildpark-Besuchern mit Wölfen
«Fremde Menschen haben in Wolfsgehegen nichts zu suchen», betonte Wiesenthal, der auch niedersächsischer Wolfsberater ist. In einigen Einrichtungen seien aber dennoch Kontakte von Besuchern mit Wölfen möglich. «Über den Sinn und die Notwendigkeit dieser Kontakte sind die Meinungen unter Fachleuten durchaus zweigeteilt. Ich persönlich halte den direkten Kontakt zwischen Besuchenden und Wölfen aus verschiedenen Gründen für nicht zielführend.»
Durch den Kontakt zum Wolf könne ein falsches Bild von diesem Raubtier vermittelt werden, so der Vorsitzende des Verbands im niedersächsischen Gleichen. «Es bleibt ein Raubtier und sollte stets mit Respekt betrachtet werden.» Da Besucher das Verhalten von Wölfen nicht kennen, könne es zu «Fehlinterpretationen und Fehlverhalten kommen, was auch eine ungewünschte Übersprungshandlung beim Wolf auslösen kann».
80 Einrichtungen in Deutschland mit Wölfen
Derzeit gibt es laut Verband rund 80 Einrichtungen in Deutschland, in denen Wölfe gehalten werden. Am häufigsten seien dabei Grauwölfe – mit rund 300 Tieren. Polar- und Timberwölfe seien mit insgesamt 130 Individuen in Deutschland vertreten.
In der Regel komme es durch nicht ausreichende Kenntnis des Verhaltens der Wölfe zu Übergriffen, die allerdings nie tödlich verliefen, sagte Wiesenthal. Der Experte schätzt, dass es in den vergangenen zehn Jahren bislang zu weniger als zehn Übergriffen gekommen ist – ausschließlich auf Mitarbeiter der Einrichtungen. Es sei ihm bislang nicht bekannt, dass Besuchende angegriffen worden seien.