
Berlin (dpa/bb) – Auch bei aktuell noch moderaten Temperaturen waren die Notübernachtungsplätze der Berliner Kältehilfe für Obdachlose im Oktober fast vollständig belegt. Die rund 700 Übernachtungsplätze seien aktuell zu 90 Prozent ausgelastet, teilte ein Mitarbeiter der Koordinierungsstelle der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.
Eine Zusage für die größte der geplanten Notübernachtungen am Goslarer Platz mit 150 Plätzen sei vom Vermieter überraschend zurückgezogen worden. Es sei aber gelungen, als Ausgleich einige kleinere Unterkünfte zu finden. Ab November stünden dann insgesamt etwa 1.000 Plätze zur Verfügung.
Schutzangebot für Frauen im Wedding ausgelastet
In der Tageseinrichtung des Sozialdienstes katholischer Frauen «Evas Haltestelle» im Wedding machen sich die niedrigeren Temperaturen schon jetzt deutlich bemerkbar, sagt Leiterin Natalie Kulik. Seit Anfang des Monats stehen in der Einrichtung 20 Notübernachtungsplätze zur Verfügung. «Bereits im Oktober mussten Frauen abgewiesen werden, weil alle 20 Schlafplätze belegt waren», so Kulik. Eine Weitervermittlung sei häufig schwierig, weil oft auch an anderen Orten nichts frei sei.
Auch tagsüber sei die Anzahl der Frauen, die Schutz suchten, zuletzt gestiegen. «Die Einrichtung ist ausgelegt auf 60 Plätze pro Tag, mittlerweile kehren jedoch täglich 70 bis 75 Frauen dort ein, um sich an einem sicheren Ort aufzuhalten, an dem sie Ruhe, Austausch und Unterstützung finden können.» Auch die Nachfrage nach Schlafsäcken, Decken und warmer Kleidung habe deutlich zugenommen.
Deutlich mehr Wohnungslose in Johanniter-Nachtcafé
Die Johanniter-Notübernachtung «Ohlauer 365» hat das ganze Jahr über geöffnet und stockt ihre 88 regulären Schlafplätze im Winter auf bis zu 100 Notbetten auf, erklärt Jörge Bellin, Leiter des Bereichs Wohnungslosenhilfe. Leider müssten das ganze Jahr über Menschen abgewiesen werden, da es nicht genug Platz für alle gebe.
Das Nachtwärmcafé «Nachthafen am Kotti» der Johanniter hätten in den vergangenen Wochen deutlich mehr Menschen aufgesucht als sonst. «In den besonders kalten Nächten seit Anfang Oktober verzeichnen wir hier eine teils um 100 Prozent erhöhte Auslastung.» Pro Nacht seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit in Kontakt mit bis zu 300 Menschen. Das Nachtcafé ist vor allem für obdachlose Menschen mit Suchterkrankungen da. Es gibt Beratung und Unterstützung, Getränke und kleine Speisen. Das Café in der Reichenberger Straße ist jede Nacht zwischen 22.30 und 6.30 Uhr geöffnet.