Tugay Saraç wird für sein Engagement in Trier ausgezeichnet. (Archivbild)
Tugay Saraç wird für sein Engagement in Trier ausgezeichnet. (Archivbild) Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Trier (dpa) – Tugay Saraç ist queerer Muslim und Projektleiter der Anlaufstelle «Islam & Diversity» an der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. An Schulen betreibt er Präventionsarbeit: Dort spricht er mit Schülern und Lehrern über Themen wie Queerness und Islam, Antisemitismus und Islamismus. Für seine Arbeit wird Saraç dieses Jahr dem Versöhnungspreis der Klaus Jensen Stiftung in Trier ausgezeichnet.

Mit dem Preis werde das beispielhafte Engagement von Saraç gewürdigt, «das auch von Mut gekennzeichnet ist», sagte der Sprecher der Stiftung, Klaus Jensen, der Deutschen Presse-Agentur. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 26. November bei einem Festakt in Trier verliehen. 


In seiner Bildungs- und Präventionsarbeit an Schulen setze der 29-Jährige «nicht auf Konfrontation oder moralische Belehrung, sondern auf persönliche Begegnung, Dialog und die glaubwürdige Vermittlung eigener Erfahrungen». 

Preisträger wird für seine Friedensarbeit geehrt 

Saraç setzt sich nach eigenen Angaben intensiv dafür ein, «jungen Muslimen zu vermitteln, dass islamischer Glaube und eine queere Identität kein Widerspruch sein müssen». Seine Botschaft sei: «Liebe ist halal» – also «Liebe ist erlaubt». Er ist auch LGBTQ-Beauftragter an der Moschee in Berlin.

Als ehemaliger Salafist kenne er zudem «die Mechanismen islamistischer Radikalisierung aus erster Hand» und kläre heute darüber auf, teilte er mit. Saraç hatte sich nach eigenen Angaben als Jugendlicher radikalisiert, unter anderem, weil er seine eigene Homosexualität ablehnte. 2017 wandte er sich demnach vom Salafismus ab. 

Stiftung gibt es seit 2003

Der Preisträger verfolge das Ziel, Jugendliche frühzeitig gegen Radikalisierung zu stärken und Brücken zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zu bauen, sagte Jensen. So beginne Friedensarbeit: «Nicht erst nach einem Konflikt, sondern dort, wo Vorurteile, Feindbilder und Gewaltbereitschaft verhindert werden.»

Die Klaus Jensen Stiftung unterstützt Projekte der Gewaltprävention, Mediation und Versöhnung im In- und Ausland. Sie wurde 2003 von Jensen gegründet, der von 2007 bis 2015 Oberbürgermeister (SPD) in Trier war. Mitstifterin ist die ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Sie ist mit Jensen verheiratet.